Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude in der deutschen Gegenwart
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Jude in der deutschen Gegenwart anstrebt — und sich selbst zu ihnen zählt —, die überzeugt sind, daß neben allen anderen Typen des Geistes auch der jüdische, als schöpferischer Faktor hohen Ranges und gerade jetzt, etwa fünf Generationen nach der Emanzipation, in hoher Blüte, um seiner selbst und der Menschheit willen gepflegt werden, erneuert werden, in Aktion und Gemeinschaft verwandelt werden müsse. Ich legte dar, daß mit biologischer Notwendigkeit, nach den Gesetzen der Durchdringung einer Minderheit mit dem Geiste der Mehrheit, im Deutschjuden, Gallojuden, Anglojuden, Russojuden das Nicht jüdische von Generation zu Generation wachse, wenn nicht Rückschläge durch selbstbewahrende Einkapselung einträten. Und ich erwartete (in einer Schrif t „Das Neue Kanaan* '*) von der Re - mediterranisierung, von der Rückkehr des Juden in sein ursprüngliches Mittelmeerklima, eine grundsätzliche Rückverwandlung des bedrohten geistigen Typs zu seiner eigentlichen Gestalt. In diesem Sinne ist der Zionist Träger einer nationalen Idee, und nur in diesem. Sein Nationalismus hat mit dem modernen imperialistischen, durch die Vorsilbe „AU"- und ein Hauptwort, das einen Volksnainen nennt, gekennzeichneten, nur das Wort gemein. Er ist ein bewahrender Nationalismus, der die unabweisbaren Mittel der Bewahrung, die alle anderen Völker auf Erden haben, nämlich das freie Siedeln auf geschlossen-autonomem Landstrich, auch für die Juden anstrebt, und so diese Judenfrage für die Juden zu lösen gedenkt Er hat die strenge Pflicht, an die Nichtjuden auf der Erde dabei nur zu denken wie jeder wohlgesonnene Mensch an seine Mitmenschen denkt, rücksichtsvoll zu sein überall, wo nicht die Seele zu Schaden kommt, und seine eigene Sache so zu lösen, daß ihre Lösung in die allgemeine Bewegung zur Ordnung der irdischen Probleme und Angelegenheiten mit eingeht. 5. Indem ich hier „der Jude'' und „der Zionist" sage, lege ich den Ton auf das Konkrete und gegen die Abstraktion, blicke ich auf das Lebendige gegen jeden Ismus, weigere ich mich, dort zu theoretisieren, wo das wirklich Seiende allein gesehn zu werden fordert und fordern darf. Hart nämlich in den Köpfen stoßen sich in dieser affektvollen, hysterischen Zeit die sogenannten Ideen, diese puren Überbauten der vom Krieg und Klassen umbau aufgerührten Leidenschaften; eng beieinander aber wohnen heut die Sachen, sofern sie sachlich betrachtete Wirklichkeit der Seelen sind. Somit ist der Zionist ein Jude, der auf Auswanderung um einer ihm teuren, seelisch werten Aufgabe willen sinnt, wie die Quäker, *) Verlag Horodisch & Marx, Berlin 1923 l' 3