Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 9 (1925-1927)
- Issue
- 1 (1925) Sonderheft Antisemitismus und Volkstum
- Article
- Der Jude in der deutschen Gegenwart
- Date
- 1925-01-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Arnold Zweig Antisemitismus nicht in seine allgemeinsten und blassesten Formen verfallen sehn wollen — worüber hier nicht zu reden ist — nur der verzweifelte Mut immer übersteigerterer Schminke: woran schließlich jederzeit eine Entlarvung manischen Verhaltens gebunden ist. Da die Juden ein Volk langer Zeiträume sind, haben sie hier den Vorrang: sie haben warten gelernt. 3. Nicht erörtern ferner kann man diese Frage mit denjenigen Judengruppen, die sich den verfänglichen Namen der „nationaldeutschen4 ' beigelegt haben. Ihnen lege man, ehe man sich mit ihnen über Juden oder gar Zionisten in der nicht-jüdischen Welt, z. B. also in der deutschen, auf einige Distanz unterhält — Distanz, weil sie leicht ins Sprudeln und Blasenwerfen kommen, bleibt geboten — die Frage vor: wie sie sich eigentlich zu so grunddeutschen Gestalten stellen wie Friedrich Wilhelm Förster, wie Gustav Wyneken, wie Hellmut v. Gerlach, wie Heinrich Vogeler-Worpswede, wie Windhorst und Bebel, Heinrich Mann oder Wedekind, wie Klara Zetkin, den Kardinal Faulhaber, Joseph Wirth — wie, um das ganz große Kaliber der Wegweiser zu nennen, Georg Büchner oder Friedrich Nietzsche; und man wird seine Freude haben. Es wird sich nämlich herausstellen, daß sie zu jedem dieser Namen das entzückende Beiwort „der sattsam bekannte*4 fügen werden, womit alles gesagt ist. Sie sind weder national noch deutsch, wenn man nicht „natio" mit Schwerindustrie und Deutschtum mit Junkertum gleichsetzen will, sie sammeln unter den Juden Almosen in Gestalt von Mitläufern für eine sehr zeitgemäße, durchaus nicht etwa konservative Weltanschauung, die nichts als bourgeois ist—sie sind ein wilhelminischer Anachronismus und denken über Judentum und Deutsches Reich genau wie Herr v. Treitschke, der bestwiderlegte, von Nietzsche abgestempelte königlich-preußische Hofhistoriograph". Man lasse sie gehen, überall avo gedacht und erkannt wird, fühlen sie sich fehl am Ort, und nur wenn sie sich in Erörterungen mischen, mache man sie baff vor Verwunderung, indem man menschenfreundlich ihnen rät, erst einmal in ihre Begriffe einige windeln waschen de Reinlichkeit zu bringen. Wo sie allerdings denunzieren, dort gehe man mit ihnen um wie mit Denunzianten: man hänge sie niedriger . 4. Ein Sonderfall des Juden ist der Zionist; nämlich derjenige, der in dem Misch produkt „moderner Jude" die jüdische Komponente erhalten und stärken will, indem er (wie ich an anderem Orte*) auszuführen versuchte) in Palästina eine Konzentration solcher Juden *) Die ,. Weltbühiie" 1925, Heft 4 Q.