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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 742

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Die Agrarindustrie in Palästina
Date
1924-01-01
Page
742 (sequence 3)
Language
German
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742 Umschau: Kolonisation beseitigen, daß Palästina, das ausgesprochene Obst- und Gemüseland, in der Zeit des teuren Obstes Konserven aus dem Ausland ergänzungsweise importieren muß. Die Konservenfabrik wird mit einer Verkaufsgenossenschaft der Pflanzer zusammenwirken. Von großer Bedeutung ist dabei das Vorbild Kaliforniens und seiner intensiven, industrialisierten Obst- und Gemüsekultur. Sehr primitiv war bisher die palästinensische Mehlproduktion. Erstklassiges Mehl mußte aus Amerika eingeführt werden. Dieser Zustand ist jetzt durch die Eröffnung der ,,Socie" 6 des grands moulins de Palestine" in Haifa mit 100 ooo Pfd. Stlg. Grundkapital völlig zum Besseren geändert worden. Der wichtigste Fortschritt in der neueren Entwicklung der palästinensischen Agrarindustrie ist die in diesem Jahr erfolgte umfassende Einführung des Tabakanbaues, der eine vorzügliche Ernte ergeben hat. Die Kultur ist planmäßig auf die edelsten mazedonischen, anatolischen, Kavalla-, Seres-, Samsuni- und Habannasorten eingestellt. Die Verwertung erfolgt genossenschaftlich; Verkaufskontrakte mit großen ägyptischen und europäischen Fabrikationskonserven sind befriedigend für beide Teile durchgeführt worden. Man richtet bereits in Palästina selbst Zigarettenfabriken ein. Der Tabak gilt vielen Beurteilern heute als der bedeutendste Bürge für die künftige gedeihliche Entfaltung der palästinensischen Wirtschaft. Auf jeden Fall ist Tatsache, daß das Gelingen der Einbürgerung des Tabakanbaues die noch vor kurzem ziemlich schwierige ökonomische Lage des Landes wesentlich erleichtert und den Arbeitsmarkt, der vorher ein Überangebot an Arbeitskräften aufwies, völlig umgestellt hat. Die Baumwoll- und Zuckerrohrkultur hängt von der Durchführung der Bewässerungsmaßnahmen ab, die einen Teil des Elektrifizierungsprogramms der Jordan- Wasserkräfte (Ruthenberg-Projekt der „Palestine Electric Corporation") bilden. Die Rübenzuckerproduktion befindet sich noch im Stadium eingehender wissenschaftlicher Versuche. Die Spritproduktion, nicht nur wie bisher als Nebengewerbe der Weinkelterei, sondern vor allem auch als Verwertung einheimischer Zerealien, hat Aussichten auf einen großen Markt in Palästina und den Nachbarländern, wo der Brennspiritus infolge des Kohlenmangels eine bedeutende Rolle spielt. Die Finanzierung einer großen palästinensischen Spritfabrik ist bereits im Gange. Die junge Forstwirtschaft in Palästina ' hat neben großen Aufgaben der Landeskultur auch den praktischen Zweck einer einheimischen Nutzholzproduktion zu erfüllen. Besonders kommen Eukalyptusbaum und Kiefer in Betracht. Der Holzmangel und die daraus entspringende Einfuhrnotwendigkeit belastet die Handelsbilanz Palästinas sehr empfindlich mit einem Passivum. In Tel Awiw hat nunmehr ein eingehender praktischer Versuch, palästinensisches Eukalyptusholz zu Orangenkisten für den Fruchtexport zu verarbeiten, sich technisch und kommerziell bewährt und wird zu einer entsprechenden Fabrikgründung führen. Aussichtsreich dürfte bei zweckmäßigem Aufbau die Seifenproduktion werden, die sich heute in kleineren Betrieben bereits an die Olivenölgewinnung anschließt. Mit vorbereitenden Versuchen für eine palästinensische Parfümerieindustrie beschäftigt sich zur Zeit die gemeinnützige Siedlungsgesellschaft ,,Ica" (Jewish Colonisation Association), die Versuchsgärten mit den in Frage kommenden Pflanzen unterhält. Was die Verwertung der animalischen Erzeugnisse betrifft, so bauen heute die jüdischen Siedlungen eine Milchwirtschaft planmäßig nach besten europäisch-amerikanischen Erfahrungen auf; man arbeitet an der Höherzüchtung des einheimischen arabischen Rinds durch Beiruter und holländischen Einschlag. Die Wollverwertung steht noch ganz am Anfang; die jüdischen Arbeitersiedlungsgenossenschaften, insbesondere ,,Gdud Haawodah", haben einige Mitglieder nach Europa gesandt, um sie dort in der modernen rationellen Schäferei ausbilden zu lassen. Ähnliches gilt von der Häute- und Fell- und von der Tierhaarproduktion. Die Geflügelzucht und die Bienenzucht, bisher in ganz Vorderasien völlig vernachlässigt, blüht heute in den jüdischen Siedlungen stark auf und dürfte binnen kurzem mit ihren Produkten exportfähig werden. Wesentliche Pionierarbeit leistet auf diesem Gebiet die jüdische landwirtschaftliche Frauenschule in Nahalal. Daß sie ein Beispiel für den ganzen Nahen Osten gibt, verleiht der modernen Agrarindustrie Palästinas eine über das lokale Interesse weit hinausgehende Bedeutung. Für die Industriestaaten Europas, zumal auch für

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