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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 741

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Die Agrarindustrie in Palästina
Date
1924-01-01
Page
741 (sequence 2)
Language
German
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Umschau: Kolonisation 741 Weinanbau geht hier auf 1882, das Gründungsjahr von Rishon le Zion, zurück. Die Grundlage bilden amerikanische Reben, dazu französische und spanische Sorten. Die Verwertung des gesamten Produkts erfolgt im Großen durch die Genossenschaft der Weinbauern, die „Cooperative Society of the Rishon-le-Zion and Zikchron Jacob Wine Cellars". Die Genossenschaft besitzt in Rishon le Zion die zweitgrößte Weinkellerei der Welt (die größte ist in Bordeaux), ferner kleinere Kellereien in Sichron Jakob, in Rechoboth und Chedera. Der Keller von Rishon le Zion bietet Platz für 73 290 hl. Mit der Kellerei ist eine Kognak- und Likörfabrik verbunden. Die Jahresproduktion erreichte zuletzt 1 320 000 Gallonen, wovon der größte Teil exportiert wurde, was einen Erlös von rund 120 000 Pfund Sterling ergab. Die palästinensische Produktionssteuer auf Alkoholika beträgt 30% des Großhandelspreises bei Arrak, Kognak und anderen Likören, 15% bei Wein und Bier und wird bei der Ausfuhr zur Hälfte zu rückvergütet. Die Erzeugnisse entsprechen den gangbarsten Bordeaux- und Südweinsorten. Die Weinbauerngenossenschaft besitzt in England und auf dem Kontinent eine wohlausgebaute Verkaufsorganisation. Der Absatz gestaltete sich in den letzten Jahren etwas schwierig, hauptsächlich infolge der amerikanischen „Prohibition", der kanadischen und skandinavischen Alkoholeinschränkung und der fast erloschenen Kaufkraft Zentral- und Osteuropas einerseits und der valütarisch ermöglichten Preisunterbietung durch die französischen Weine andererseits. Rishon le Zion hat daher, neben einer lebhaften Werbetätigkeit und neben der erfolgreichen Bemühung, in den Ländern der „kleinen Entente" die gleiche Zollbegünstigung wie italienische und französische Weine zu erlangen, auch eine gewisse Umstellung der Produktion eingeleitet, indem es sich heute intensiv derHerstellung alkoholfreier Traubenweine sowie verdickten Traubensaftes widmet. Ferner sind in diesem Jahr erstmalig palästinensische Tafeltrauben auf den europäischen Markt gebracht worden. Rishon le Zion trifft darin mit den Bestrebungen der jungen jüdischen Siedlungen überein, die fast durchweg einen Bruchteil ihres Bodens mit Weinreben zu Eßzwecken bepflanzt haben. Die Aufgabe, einen alten primitiven Produktionszweig zur modernen Agrarindustrie umzugestalten, wird besonders bei der Olivenproduktion erkennbar. Ölbäume trifft man in ganz Palästina an% Die Früchte sind vorzüglich; doch das Öl war bisher für den Handel stets minderwertig, da die Bauern in ihren Ölkeltern die Früchte wahllos durcheinander gemischt auszupressen pflegten. Dadurch gingen für die palästinensische Volkswirtschaft große Werte verloren. Heute hat nun bereits eine rationelle moderne Olivenölproduktion eingesetzt, die auf die Initiative der jüdischen Siedler zurückgeht, angeleitet durch die Versuchstation. Die erste moderne Ölfabrik ist die ,, Shemen Ltd." in Haifa mit 100 000 Pfd. Stlg. Grundkapital. Ganz in letzter Zeit erst haben die jüdischen Siedlungen im Emek Jesreel und in Galiläa auch den Anbau von Ölfrüchten im Großen aufgenommen, insbesondere von Sonnenblumen und Sesam. Ferner kultiviert man gegenwärtig die Rhizinus-Staude zur Erlangung des Rhizinusöls und die Mohnpflanze zur Gewinnung von Opium für medizinische Zwecke. Die Kultur der Südfrüchte erstreckt sich in Palästina vor allem auf Orangen, Zitronen, Aprikosen, Feigen, Mandeln, Johannisbrot und neuerdings auch auf Melonen, deren erste große Ernte in diesem Jahr mit sehr günstigen Resultaten durchgeführt wurde. Der Orangen-Export ist das vornehmste Aktivum im Außenhandel Palästinas. Er liegt in den Händen der großen Genossenschaft der Orangenpflanzer, der sogenannten „Pardes- Organisation". Absatzmarkt ist hauptsächlich England. Die Ausfuhr geht vor allem über Jaffa, das im Mittelpunkt des Orangengebietes liegt. Die große Schwäche der palästinensischen Südfruchtproduktion wie auch der Gemüsekultur war bisher der Mangel einer Konserven- und Trocknungsindustrie, die es ermöglicht hätte, Gemüse und Früchte auch in der Zeit des Überflusses und der niedrigen Preise lohnend zu verwerten. Kürzlich sind nun durch jüdische Fachleute aus Europa die ersten Maßnahmen zur Gründung einer großen Konservenfabrik in Jaffa-Tel Awiw erfolgt, die in der stillen Saison sich in einem Nebenbetrieb mit der Herstellung von Konservenbüchsen für ihren eigenen Bedarf befassen wird. Ein zweites Unternehmen wird für Nordpalästina in En Charod vorbereitet. Es wird dann möglich sein, zumal die enorme Zitronenproduktion zweckmäßig zu verwerten und den abnormen Zustand zu

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