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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 740

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Die Agrarindustrie in Palästina
Date
1924-01-01
Page
740 (sequence 1)
Language
German
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UMSCHAU KOLONISATION Die Agrarindustrie in Palästina Allgemein im Wirtschaftsleben des Nahen Ostens zeigt sich heute die Tendenz, an Stelle der alten, bequemen und daher wenig ertragreichen Produktionsmethoden zur planmäßigen, intensiven Gütererzeugung zu kommen, die Wirtschaft zu industrialisieren, so daß sowohl der Nahrungsspielraum der vorhandenen Bevölkerung, sich erweitert, als auch für dichtere Besiedlung Platz gewonnen wird. Konkreteste Form haben diese neuen Tendenzen des Orients in Palästina angenommen, wo die jüdische Siedlungsbewegung eine wirtschaftliche Triebkraft und ein gestaltender Faktor von hoher Bedeutung für den ganzen Osten ist. Man handelt hier bei allen Gründungen bereits im Sinne der praktischen Erfahrung, die gelehrt hat, daß Industrieunternehmungen in wirtschaftlich jungen Ländern nur dann auf Erfolg im Wettbewerb des Binnen- und des Weltmarktes rechnen können, wenn sie möglichst solid auf der Urproduktion des Landes aufgebaut sind. Die junge Industrie Palästinas ist daher, neben den Reparaturgewerben und den Industrien für den lokalen Bedarf des Landes und seiner nächsten Nachbarn — Baubedarf, Möbel-, Textil- und Schuhbedarf -—, heute vor allem Agrarindustrie, Verarbeitung der Produkte des Ackerbaus, der Pflanzungskulturen und der Viehwirtschaft. Sie steht in Parallele zu den anderen industriellen Zweigen der palästinensischen Urproduktion, der Steinindustrie des judäischen Gebirges und der noch ganz am Anfang stehenden Mineralindustrie im Toten Meer-Gebiet. Die wichtigsten Kennzeichen der modernen palästinensischen Agrarindustrie, die ihr im Orient eine besondere Stellung verschaffen, sind die umfassende wissenschaftliche Vorbereitung, die planmäßige Züchtung reiner Sorten, die Organisation der Finanzierung und des Vertriebs, möglichst im Großen, auf genossenschaftlichem Wege. Der Gedanke der Qualitätsleistung, den Deutschland in Europa für Technik und Veredelungsindustrie vertritt, wird hier auf die Landwirtschaft und ihre Nebengewerbe angewandt. Das Odium des Primitiven, das den Erzeugnissen des Orients so gern anzuhaften pflegt,, soll hier von vornherein vermieden werden* Das Rückgrat der neueren Agrarindustrien Palästinas, die eng mit dem jüdischen Sied^ lungswerk verbunden sind, bildet die landwirtschaftliche Versuchsstation, die mit dem Sitz in Tel Awiw und mit Versuchsfeldern in Ben Schemen, Merchawjah und Daganiah unter der Leitung Professor O. Warburgs von der Zionistischen Organisation unterhalten wird. Die hauptsächlichsten Abteilungen sind die für Betriebslehre, Ackerbau, Pflanzenzüchtung, Agrikulturchemie, Entomologie und Pflanzenpathologie. Das Institut steht jetzt in organischer Verbindung mit der in Gründung befindlichen hebräischen Universität zu Jerusalem, deren erste bereits arbeitenden Institute für Chemie und Mikrobiologie auch für die Agrarindustrien von wesentlichem Interesse sind. Zu den Arbeiten der Versuchstation gehört heute vor allem die wissenschaftliche Förderung des- Tabakbaues, der Ölpflanzenkultur, der Konservenindustrie, der Spritgewinnung, der Zuckerproduktion, der Honigerzeugung, sowie die Prüfung der Möglichkeiten für Textilrohstoffgewinnung und für Lederwirtschaft. Die Versuchsstation ist die erste ihrer Art in Vorderasien; ihre Publikationen erschließen der Wissenschaft absolutes Neuland. Charakteristisch für das Aufbauwerk in Palästina ist es, daß neben den rein wissenschaftlichen auch sehr solide populäre Veröffentlichungen erfolgen, die für den praktischen Landwirt und Agrarindustriellen berechnet sind. Ein Stab von Instruktoren und Wanderlehrernist der Versuchsstation unterstellt. Der älteste Zweig der modernen Agrarindustrie in Palästina ist die Weinherstellung. Hauptplätze der palästinensischen Traubenproduktion sind die jüdischen Kolonien. Rishon le Zion, Rechoboth, Neß Ziona, Chedera und Sicnron Jakob. Die Anbauflächen für Wein in diesen einzelnen Kolonien sind, in der gleichen Reihenfolge: 5000 Dunam (1 Dunam ein Elftel Hektar), 4000 Dunam, 500 Dunam, 600 Dunam, 1500 Dunam. Der

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