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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 726

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Die Kwuzah
Date
1924-01-01
Page
726 (sequence 11)
Language
German
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726 Walter Preuss: Die Kwuzah hingeben." In Praxis hat sich aber das Prinzip der gemeinsamen Erziehung aller Kinder von früh auf bereit allgemein durchgesetzt. Es ist nun interessant, aus den Berichten der Geschichte von Daganjah zu ersehen, wie sich langsam die Probleme von selbst einer Lösung nähern. So mußte erst eine lange Erfahrungszeit vorbeigehen, ehe die Frau auch in die andern Arbeitszweige außerhalb des Hauses eindrang und in Zweigen zu arbeiten begann, in denen die Arbeit der Frau heute selbstverständlich ist. Und die Lösung der Frage der Familie erschien noch schwieriger. Unlösbar beinahe erschien, damals, bei der Geburt des ersten Kindes in der Kwuzah, das Problem: „Wie soll die Mutter ihr Kind einer andern Frau überlassen? Wie soll sie sich bei der Arbeit beteiligen? Einer schlug private Küche vor, ein anderer: Akkordarbeit für die Frau (damit sie nicht den ganzen Tag zu arbeiten brauche!); ein Dritter — eine Amme für die Kinder. Nur wenige gingen so weit, vorauszusagen: vollkommen gemeinsame Erziehung ist die Lösung, die Kosten müssen verteilt werden auf alle, nicht nur auf die Eltern.'* (Zitiert aus dem Aufsatz über die Geschichte Daganjahs.) Diese Fragen haben heute ihre selbstverständliche Lösung gefunden; dafür traten neue an ihre Stelle, die auch ihre Lösung finden werden. Ist heute aktuell die heiß umstrittene Frage des gemeinsamen Schlafens der Kinder (nachdem die gemeinsame Erziehung von früh auf nicht mehr in Frage steht), so wird morgen die Frage des Zieles der Arbeitserziehung aktuell sein. Eins ist jedenfalls sicher: wenn irgendwo die Frau sich zur vollenFreiheit durchringen kann, (zur geistigen Freiheit, die sich die Bürgerin ansonst auf der Grundlage der Dienstbotenausbeutung erwirbt!), so ist es in der kommunistischen Kwuzah. Wenn irgendwo, so ist hier die Kwuzah Schrittmacherin der neuen Zeit. Und die Frage des Zieles der Erziehung, wenn sie in wenigen Jahren brennend sein wird, wird nirgendwo sonst neue Lösungsmöglichkeiten eröffnen, denn nur in der Kwuzah wird Erziehung durch Unterricht und Lehre mit dem Einfluß durch Milieu und Beispiel in Einklang stehen. Eine gewaltige Aufgabe hat die Kwuzah am werdenden Geschlecht, dem der Freiheit und Arbeit, zu erfüllen: und mit Erwartung und Bangen blicken die Eltern der Kwuzah auf die Kinder, ob durch sie dieses eigentliche Ziel unsres Sozialismus und Nationalismus (deren Zielpunkte sich berühren) erreicht werden wird. Ein Buch voll eigenartigen Reizes der phantastischen Nüchternheit liegt vor uns, voll rücksichtsloser, furchtloser Wahrheit, dessen Lektüre jedem nötig, jedem, der über das Ziel unsrer Siedlungspolitik bestimmen will. Hier, im Rahmen eines Artikels, konnte nur Bruchstückhaftes wiedergegeben werden, die Tiefe der Probleme, die eingehenderer Behandlung bedürfen, nur gestreift werden. Es kann durch einen Artikel nicht die Fülle des Buches und die Frische seiner Lebendigkeit ersetzt werden, eines Buches, das selbst Bruchstück ist und die Wirklichkeit nur streifen kann. Die kommunistische Aufbaubewegung ist wohl die gewaltigste Leistung des jüdischen Volkes der Jetztzeit, noch ganz im Werden, noch von außen her, vom Haß gegen die Utopie", Zufällen. Aber dem Leser dieses „Sammelbuches"

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