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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 727

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Die Kwuzah
Date
1924-01-01
Page
727 (sequence 12)
Language
German
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Gustav Mayer: Lassalle und das Judentum 727 das nur Rechenschaftsbericht vor sich selber sein will, wird wenigstens eins klar: leicht wird der Kampf gegen die Bewegung ihren Feinden nicht sein; denn wie sie tiefe Wurzeln in der Wirklichkeit der Ökonomie des Landes, in der sozialen Schichtung der Arbeiterpioniere und der geistigen Struktur der jüdischen Jugend dieser Zeit hat, so ist sie über all dies hinaus und gerade durch das Zusammenfallen aller dieser Momente bereits so fest verwurzelt, daß sie getragen vom Willen einer die Zusammenhänge überschauenden Gesamtarbeiterschaft ihrer Zukunft ein immer festeres Gefüge geben wird. GUSTAV MAYER / LASSALLE UND DAS JUDENTUM (Nach einem Vortrag) Das Verhältnis eines Menschen jüdischen Blutes zu der Gesamtwelt des Jüdischen läßt sich auf eine doppelte Weise betrachten. Man kann einmal fragen: Was ist das Jüdische in diesem Menschen, in seiner Wesensart, in seinen Lebensäußerungen? Oder man kann fragen: wie dachte dieser Mensch über das Judentum, was war es ihm, wie beurteilte er es, wie verhielt er sich zu ihm als Handelnder? Die erste Frage, die in das Dunkel des Rassenproblems hinein, ins Reich der Mütter hinabführt, lasse ich für heute beiseite, um auf Grund seiner eigenen Äußerungen, die uns mit der Erschließung seines lange verloren geglaubten Nachlasses jetzt in größerer Vollständigkeit bekannt werden, die andere Frage mit Ihnen auf zuwerfen: Wie stand Lassalle zum Judentum? Sein Familienname Lassal, den er nachher französierte, hängt mit dem Orte Loßlau in Oberschlesien zusammen, wo sein Großvater Veitel Braun alias Wolfsohn seit dem Ende des achtzehnten Jahrhunderts lebte und von wo sein Vater Heymann Lassal nach Mittelschlesien abwanderte. Dieser kam später nach Breslau und wurde dort ein wohlhabender Seidenhändler. Er war ein prächtiger Mensch, bei allen Lücken der Erziehung von festem zuverlässigem Charakter. Seine Mitbürger müssen seine Vorzüge bald erkannt haben; denn er gehörte zu den ersten jüdischen Stadtverordneten Breslaus. Die Atmosphäre des Elternhauses tritt uns greifbar in dem berühmten Tagebuch entgegen, das der Frühreife, dem alle Fehler seiner Vorzüge eigneten, mit vierzehn dreiviertel Jahren zu schreiben begann. Diese Atmosphäre war eine ausgesprochen jüdische; man kann hinzufügen: jüdisch-ostelbisch-liberale. Die Familie war mit der großen Breslauer Khille nach allen Richtungen hin versippt und verquickt. Und liest man das Tagebuch, solange es in Breslau spielt, so wird man nur selten daran erinnert, daß es auf der Welt auch noch andere Menschen als Juden und andere

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