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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 723

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Die Kwuzah
Date
1924-01-01
Page
723 (sequence 8)
Language
German
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Die Kwuzah 723 operativen Bewegung selbst offenbar machen, der sich ganz roh als der Unterschied zwischen der sozialistischen und der anarchistischen Richtung, oder in palästinensisch populärerer Umschreibung: zwischen der großen und kleinen Kwuzah, umschreiben läßt. Die abgeschlossene, eine begrenzte Zahl von Genossen umfassende Gruppe (in Daganjah 25 Familien), mit dem Anspruch, gerade in ihrer Intimität das mechanische Weltprinzip am besten zu überwinden und der wahre Ausdruck der seelischen Bedürfnisse der Chaluziuth zu sein, steht gegenüber der großen, bis zu einem gewissen Gerade offenen Wirtschaft der großen Kommune, die Arbeitsabteilungen im ganzen Land hat und deren Leben in erster Reihe durch den Gedanken der Arbeit auf der Grundlage gegenseitiger Hilfe, der Disziplin und der Bereitschaft aufgebaut ist. Beide Formen erheben den Anspruch, wesentliche Bedürfnisse, sei es des Menschen, sei es der Ökonomie und der Wirtschaft zu erfüllen. Der Gefahr der Mechanisierung des Lebens, der Notwendigkeit der Leitung und der Arbeitsteilung in der großen Kwuzah steht auf der andern Seite die Gefahr der zu großen Intimität, der verstärkten Reibungen, der ökonomischen UnWirtschaftlichkeit der kleinen Wirtschaft gegenüber. Dieser Gegensatz beider Richtungen ist vielleicht noch deutlicher als in diesem Sammelbuch auf der Konferenz der ,,Achduth Ha-Awodah" in En Charod im Jahre 1924 zum Ausdruck gekommen; wie überhaupt in dem im Sammelbuche abgedruckten Material fast immer mehr das Bestreben vorliegt, die Probleme jeder Siedlungsform an sich herauszuarbeiten und nicht die Abgrenzung der verschiedenen Formen untereinander, ein Mangel, dem wohl nicht schwer abzuhelfen gewesen wäre — so versucht auch in dem einzigen Aufsatz, der sich mit der großen Kommune beschäftigt, der Verfasser mehr die zweifelhaften Seiten im Leben der großen Kommune und die Versuche zu ihrer Überwindung herauszuarbeiten. Der Verfasser, Chawer des Kibuz En Charod, spricht über die Fragen, wie sich der Einzelne an der Wirtschaft der Gesamtheit interessieren läßt (Information usw., ein Problem, das zweifellos in dieser Form in der kleinen Kwuzah nicht vorhanden ist), ferner über Probleme der vernünftigen Gesamtleitung der großen Wirtschaft, der Facharbeit, der freiwilligen Unterwerfung des Einzelnen unter die Gesamtheit u. a. m., alles Fragen, die gerade die schwachen Seiten der großen Siedlung unterstreichen. Aber nicht weniger scharf werden, von ihren eigenen Genossen, die Gefahren des Abschlusses der kleinen Kwuzah von der Gesamtheit hervorgehoben. Ein besonderes, ebenfalls wiederholt gestreiftes, beiden Gruppen gemeinsames Problem ist das der Interessiertheit des Einzelnen an der Wirtschaft, ein Problem, das von den Gegnern der Kommune gern in seiner negativen Form, der „notwendigen Faulheit" in der kommunistischen Wirtschaft dargestellt wird. Etwas anders als in diesen „Theorien" Fremder stellt sich aber die Frage in den Darstellungen, die aus der Tiefe der Wirklichkeit schöpfen, dar. Nicht, daß man das Problem der notwendigen Interessierung und die Frage tier Initiative leugnete: sicherlich nicht aber in der rohen Form der Theoretiker darf die Frage gestellt werden. Wie immer, 46*

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