Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Kwuzah
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 720 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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720 Walter Preuss: Es kommt noch hinzu, daß man alle Fehler, die man überhaupt in der landwirtschaftlichen Arbeit gemacht hat, auf die Kwuzah zurückführt, weil sie die Form der Ansiedlung der letzten 14 Jahre gewesen ist. Dagegen heißt es sich verteidigen und die Trugschlüsse in dieser Logik aufdecken. Aber all dies ist noch nicht das Entscheidende. Denn die Hauptgründe der schwierigen Situation liegen doch in der Kwuzah selbst. Und hier erscheint ein Argument, das tiefer als jedes andere in das Wesentliche eindringt. Die zweite und dritte Alijah, die das Menschenmaterial nach Erez Israel brachte, das in den Kwuzoth lebt, ist eine Alijah von Menschen voll Hingabe und Heroismus, erzogen im Gedanken zur Arbeit und Aufopferung, aber nicht zur Ansiedlung und ruhigen Arbeit. Harte Worte finden sich im Sammelbuch über den Abenteurerheroismus, der den Einzelnen nicht an einem Ort verbleiben läßt, über die Romantik, die das Frühere, weil es gefährlich war, der späteren beruhigten Arbeit vorzieht. Nicht prinzipielle Gründe, die in der Natur der Kwuzah als Form liegen, sind schuld an dem Ausscheiden vieler Menschen aus ihr, sondern die falsche Einstellung zur Arbeit überhaupt, was sich in vielen Kwuzoth dann als Gegensatz zwischen „Altena und „Neuen", „Arbeitern" und „heroischen Menschen" äußert. Und noch etwas anderes. Der Moschaw ist ein Kompromiß mit dem Egoismus, der zum Privatbesitz und in seiner Folge zum Kampf aller gegen alle führt, und gerade die Überwindung dieser „natürlichen" Triebe macht die Kwuzah noch stärker nötig. Aus allen Worten der Vertreter aller Kwuzoth, besonders auf jener Begegnung in Daganjah, deren Protokoll sich im Buche befindet, tönt immer wieder jener Gedanke: „Die Kwuzah befreit uns vom Kleben am Pfennig, aber nicht von der Fürsorge für das materielle Ergehen der Gemeinschaft; das kommunistische Leben erzeugt neue Bindungen, die man vorher nicht erträumt hat, vor allen Dingen reinere als sonst. Man kann mehr helfen, weil man nicht fremd aneinander vorübergeht, sondern sich versteht. Und all das gab die Kwuzah in so kurzer und schwerer Zeit." (Joseph Bussel über Daganjah 1916.) „Jemand sagte unter uns: man sagt, die Kwuzah gebe dem Menschen Freiheit; das ist nicht richtig. Nicht Freiheit ist das Ziel der Kwuzah; das ist die Freiheit der Reichen. Es ist unmöglich, in der Kwuzah Freiheit zu finden, die erlaubt, nicht zu arbeiten. Die Kwuzah ist die Befreiung vom schmutzigen Kampf da draußen um den Pfennig, nicht von der inneren Auseinandersetzung." (Aus den Tagebüchern Daganjahs.) „Die Familie in der Vergangenheit und die Kwuzah in der Zukunft sind der sichere Zufluchtsort für den Menschen in seinem Kampf gegen das Tohuwabohu." (Zwi Schatz.) „Mir ist es klar, {laß dieser Weg, der Weg des Aufbaus auf genossenschaftlicher Grundlage, der Weg für die Massen, für unser Volk, für die Zukunft ist." (Joseph Baraz.) „Mag auch der Weg des Moschaw leichter sein, für uns ist die Kwuzah das einzige. Ohne Erlösung des Menschen auch keine des Landes." (Malchi, Kirjath Anawim.) „Die Kwuzah ist für uns kein Mittel, sondern die Geburtshelferin einer neuen Zeit." (David Horowitz, Beth Alfa.) Diese Erfülltheit von der Mission und der Richtigkeit des