Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Kwuzah
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 719 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Die Kwuzah 719 An der utopischen Fremdheit gegenüber dem Volke und der Arbeiterschaft sind die früheren Versuche unweigerlich gescheitert, so lehrreich sie auch sein mögen; nie waren sie, ob owenistisch, proudhonistisch, cabetistisch oder sonstwie, anderes als nicht den Bedürfnissen der Arbeiterklasse entsprechende, kleinbürgerliche Utopismen. Darum mußten sie scheitern; und lehrreich ist auch das Scheitern des Merchawjah Oppenheimers, eines Kindes der Theorie, nicht der sozialen Schichtung und nicht den gesellschaftlichen Bedürfnissen des jüdischen Arbeiterpioniers angepaßt, dessen Freiheitsbedürfnis nicht weniger groß ist (bekanntlich saß in Merchawjah der von außen eingesetzte Verwalter) wie sein Gleichheitsdrang. Die Kwuzah aber, in ihrer kommunistischen Form, seit den Tagen der ersten Steinbaukwuzah in Jerusalem und des historischen Kollektivs in Sedgerah bis zur Eroberung Um Dschunis, ist natürlich gewachsen und hat sich in einem jahrelangen Prozeß entwickelt und ihre Fragen zu lösen versucht. Lehrreich und erschütternd der Bericht aus der Entwicklung Daganias vom ,,Einem aus der Kwuzah", der zeigt, wie aus dem Leben die Probleme und ihre Lösung erwachsen sind. Nicht wenig Platz in den Diskussionen nimmt die Auseinandersetzung mit dem Moschaw ein, der individuellen Siedlung auf korporativer Basis, die in den letzten Jahren sich zu entwickeln beginnt. Läßt sich doch die Tatsache nicht leugnen, daß gute Chawerim der Kwuzah zum Moschaw gingen, daß ganze Kwuzoth sich in Moschawim umwandelten. Hier ergibt sich der Zwang, immer wieder, in die Tiefe grabend, die Frage nach dem Wesen der kommunistischen Siedlung zu stellen und sie zu beantworten. Diese Auseinandersetzung mit dem Moschaw, dem Bestreben, eine Form der individuelleren Arbeit zu finden, die doch nach dem Willen ihrer Schöpfer die elementaren Prinzipien der Selbstarbeit ohne Ausbeutung nicht verletzt, ist eine innerliche Notwendigkeit für die Kwuzah, um die große Last und Aufopferung des Einzelnen im strengen Rahmen der Kwuzah zu rechtfertigen. Und es scheint mir, als ob die Worte des Ethikers Gordon, die sich im Sammelbuch finden, „daß in dieser und jener Form die Hauptsache der Mensch sei und nicht die Form" und „daß die Kwuzah bisher nicht genügend Menschen herangezogen und sie mit der Natur und natürlichen Arbeit verbunden habe (hätten sonst so viele Menschen aus der Kwuzah herausgehen können?)": mir scheint, daß diese Worte nicht die Tiefe des Problems erfassen. Zunächst läßt sich überhaupt noch nicht über eine Geschichte des Moschaw, die dessen Erfolg in jeder Beziehung erwiese, sprechen, während die Kwuzah ihre Geschichte bereits hat. Und gerade in der letzten Zeit, und das ist der Unterton, der oft wiederkehrt, ist die Benachteiligung der Kwuzoth von außen her, in dem Stimmungsgehalt, der aus der reaktionären Zeit hinüberweht auch nach Palästina und ins Lager der Arbeiterschaft, nicht weniger als rein äußerlich in der Benachteiligung im Budget, ein nicht zu unterschätzender Faktor, der geeignet ist, die Stellung der Kwuzah auch innerlich zu schwächen. Die Furcht vor den Kwuzoth, die nicht bestand, als nur wenige Kwuzoth existierten, gefährdet den Aufbau und benachteiligt ihn.