Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Kwuzah
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 718 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Walter Preuss: Siedlungsformen durch die Zionistische Organisation, besonders in letzter Zeit, nicht unwesentlich: 32 angesiedelte Kwuzoth mit 1599 Genossen existieren heute, während 1920 nur 14 mit 408 und vor 1918 nur 6 Kwuzoth vorhanden waren. Auch die bearbeitete Bodenfläche hat sich seit 1920 von 13 615 Dunam auf 49 280 erhöht. Nicht weniger wichtig ist es, daß es im Augenblick im Land 3 Gruppen mit über 1300 Menschen gibt, die zur kommunistischen Ansiedlung streben. Betrachtet man das Problem der Kwuzah nur von seiner sozialen Seite her, so ist die Zahl der kommunistischen Siedlungen im Vergleich zum Ausland imposant. Welches sind die Wurzeln der Bewegung gerade in Erez Israel? Eine ganze Reihe von Genossen der Kwuzoth behandeln diese Frage, und ihre Antworten sind, aus der Tiefe des Erlebten geschöpft, wesentlicher als die des Außenstehenden. Auf der großen Begegnung4' aller Kwuzoth in Daganiah 1923 sagte Joseph Baraz darüber einiges, was nicht deutlich genug eingeprägt werden kann und was von allen anderen auch betont wird. Die Kwuzah ist aus keiner Theorie entstanden; kaum, daß einer ihrer Gründer in der revolutionären Frühzeit, die heute schon Romantik umkleidet, von anderen sozialen Versuchen dieser Art wußte. Die Kwuzah entstammt der palästinensischen Wirklichkeit und Notwendigkeit. Erst nachher wurden verschiedene Zwecke hineingetragen (Musterarbeit, Kommunismus usw.); aber gerade diese uneinheitliche Entwicklung der aus einheitlicher Wurzel entsprungenen Bewegung hat ihr sehr geschadet. Äußere und innere Gründe standen der ersten Kwuzah als Geburtshelferin zur Seite; die Schwierigkeiten des ,,Kibusch Awodah", (Eroberung durch Arbeit), der Anpassung der Genossen an die außergewöhnlichen Bedingungen forderten die kommunistische Form der sozialen Hilfe, die Araberfrage drängte zur möglichsten Ausschaltung des „Arbeiterproblems"; der plötzliche Übergang so vieler „Nichtarbeiter und Luftmenschen" zur Arbeit erzwang das System der Arbeit in Gemeinschaft. Soziale und sozialistische Neigungen revolutionärer Jugend halfen, den Weg, als er einmal aus Notwendigkeit begangen war, bahnen; der Gedanke der Befreiung des Lebens von Egoismus, vom Kampf aller gegen alle, von Niedertracht und Mißgunst, durch kommunistisches Leben, drang immer mehr vor. Der tiefste Grund des Gelingens der Bewegung liegt darin, daß hier nicht eine idealistische Utopie einer Ökonomie aufgepfropft wird, die deren nicht bedarf, sondern daß an der Wiege der Kwuzah die ökonomische Notwendigkeit des Landes und die gesellschaftliche Struktur des Pioniervolkes stand. Und heute, wo das Leben auch in Erez Israel kapitalistischer, kultureller, in gewissem Sinne leichter wird, findet die Bewegung zu ihrem Schutze eine erkenntnismäßig geschulte organisierte Arbeiterklasse vor, die der Kwuzah eine der sozialen Ökonomie und ihren Bedürfnissen angepaßte Wegrichtung zu geben versteht (das noch zu besprechende „Gesetz"). Die Kwuzah wiederum wird nur existieren, wenn sie „Zugang zu den wahren Bedürfnissen des Volkes hat"1). *) Alle gestrichelten Stellen dieses Aufsatzes sind jeweils Zitate aus dem Sammelbuch.