Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Die Kwuzah
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 717 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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- IRI
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Die Kwuzah nur der in ihr Lebende kann wahrhaft über die Kwuzah aussagen, nur er das Positive und Negative, das Ursprüngliche und Theoretische, das Notwendige und das Überlebte in ihr unterscheiden und daher wahrhaft begründen. Mit Erschrecken nimmt man wahr, wie sehr an der Oberfläche und voll Unverständnis alles bleibt, was in den „offiziellen" Diskussionen der Kongresse und Tagungen über das System der kommunistischen Kolonisation gesagt wird; besonders klar wird das, wenn man verfolgt, wie in den Kwuzoth selbst die Probleme dieser Siedlung erfaßt und dargestellt werden. Mit besonderer Freude ist daher das Erscheinen des Sammelbuches „Die Kwuzah" zu begrüßen, das die Kulturkommission der Arbeiterschaft soebenherausgegeben hat. Hier wird ein überaus reiches Material, gesammelt im Auftrage einer besonderen Kwuzothkommission, die von sämtlichen Kwuzoth auf ihrer letzten „Pgischah" (Begegnung) gewählt wurde, veröffentlicht, dienend der Aufgabe, „Klärung um der Klärung willen" zu geben, den Weg und die Besserung zu suchen. Rücksichtslos, ohne Furcht vor Feinden, wird in diesem Sammelbuch von Briefen und Aufsätzen Verstorbener (Bussel, Gordon), von Protokollen aus den Begegnungen der Kwuzoth, von Aufsätzen über kommunistische, soziale, ökonomische, sozialistische Fragen aus den Reihen der Gefährten der Kwuzoth selber, von Tatsachenberichten und Vorschlägen von Gesetzen zur Gestaltung des Lebens der Kwuzoth, von all diesem in seiner Nacktheit doppelt wirksamen und erschütternden Material — wird die Grundfrage nach der Existenzberechtigung, dem Wesen und dem Zweck dieses Kampfes, der sich Ringen der Menschen um Gestaltung eines Lebens in absoluter Gleichheit nennt, aufgeworfen. Nur die Siedlungskwuzah, nicht die mehr zufällige, kaum weniger wichtige Baukwuzah des städtischen Arbeiters kommt zu Wort; es ist ja aber doch die Siedlungskwuzah, die als dauernde das Interesse in erster Reihe erweckt. Der sozial gerichtete, liebevoll Beobachtende wird immer wieder auf die Frage stoßen: wie kommt es, daß diese Bewegung seit den 16 Jahren, als die erste Kwuzah nach Mu Dschuin ging, ins verödete Neuland Transjordaniens, und zu Daganiah wurde, sich immer ausbreiten konnte, daß trotz all dem Schweren und Problematischen, von dem im Sammelbuch gesprochen und von dem hier noch zu sprechen sein wird, heute von einer Befestigung der Bewegung gesprochen werden kann, einer Zeit der Mannbarkeit, in der das Bedürfnis nach fester Form- und Gesetzgebung erwacht: wie kommt es, daß sie nur hier sich so verbreiten konnte und im Ausland so versagte? Wo bleiben die Prophezeiungen Oppenheimers, die er Merchawjah als Geleit gab, vom notwendigen Untergang der kommunistischen Kwuzah (jenem Merchawjah, das längst kommunistische Kwuzah ist); wo all jene Schlußfolgerungen, die Liefmann (Die kommunistischen Siedlungen in Nordamerika) und Lindeman-Hilquist (über dasselbe Thema in der „Internationalen Bibliothek") aus ihren Beobachtungen als ein für allemal feststehend ziehen? Denn auch rein äußerlich ist die Entwicklung der Siedlungskwuzoth, trotz der immer steigenden, unzweifelhaften Begünstigung aller anderen-