Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Jüdische Rentenbank
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 714 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101213-3109914--7538-3109957- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
7*4 He rman Glenn: Warren Hastings' himmelweit verschieden sein werden: nicht um bürgerliche oder kommunistische Kolonisation wird der Streit gehen, sondern um unrationelle oder rationelle. Eine kommunistische Kolonisation existiert an sich ebensowenig, wie kommunistische Pelze oder sozialistisches Gold. Das Werk der palästinensischen Kolonisation wird zentralistisch organisiert sein, oder es wird überhaupt nicht sein können. Das zentrale Kolonisationsinstitut wird zuerst in großem Ausmaße Arbeiter und nicht sofort Kolonisten brauchen. Erst die Zeit und die steigende Arbeitsgesamtleistung werden den mitwirkenden Arbeitern steigende Rechte gegenüber dem Zentralinstitut zuzuerkennen haben: natürlich sprechen wir dabei nur von wirtschaftlichen Rechten. In politischer Hinsicht wird die Arbeiterschaft, als die eigentliche Trägerin einer nur so möglichen — sowohl landwirtschaftlichen wie, in immer wichtigerem Grade, industriellen — Großkolonisation, den allergrößten Einfluß in den zentralen Instanzen auszuüben haben. Werden von den Anteilscheinen der Rentenbank in mehr als gerechter Weise ,30% — mit dem entsprechenden Sitz im Aufsichtsrat — den Garanten zugebilligt, so wird man etwa ebensoviel den Vertretern der Arbeiterschaft in der Jewish Agency zuerkennen müssen, während die restlichen 40% von dieser selbst paritätisch zu verteilen wären. Alle diese internen Fragen sind letzten Endes unwesentlich gegenüber der einen sachlichen: welchen Zinsfuß man den Garanten bei rationeller Kolonisation tatsächlich als sicheren Ertrag der Kredite wird nachweisen können. Und da darf man freilich die bisherigen Zahlen nur mit der größten Vorsicht als maßgebend betrachten. Die Methode der gänzlich ungenügenden Spendenfonds brachte es mit sich, daß Kolonien und Kwuzoth fast niemals hinreichenden und, schlimmer noch, fast niemals rechtzeitigen Kredit erhalten konnten: wenn das Geld für Saatgut um ein Vierteljahr zu spät kommt, sieht die künftige Ernte natürlich auch danach aus. Mangelnde Erträge und gar Defizite, die auf Konto der bisherigen Organisationsschwächen gebucht werden müssen, dürfen daher nicht als Maßstäbe für die Berechnung kommender Erträge herangezogen werden. Nur die normalen Erträge gut organisierter und seit längerem gesicherter Wirtschaftseinheiten kommen in Frage: denn die Großkolonisation aus Anleihen bzw. Rentenmitteln — oder, weit besser noch, aus Anleihen und Rentengeld zusammen — wird eben auf einer gesicherten Basis stehen oder gar nicht erst anfangen dürfen. Nun werden auch so reine Getreidebauwirtschaften nach allen bisherigen Erfahrungen bei extensiver Nutzung nicht mehr als 3%, bei späterer intensiver bis 5% jährlich bringen; hier heißt es also, nicht allzuviel davon aufnehmen und für die Zinsenabzahlung aus den nationalen Spendenfonds nachhelfen, am besten aber natürlich möglichst mit anderen Zweigen verbinden, wie dies die Praxis schon längst mannigfach versucht. Die übrigen Zweige der palästinensischen Wirtschaft bringen jedoch, auch unter Einrechnung der unwirtschaftlichen, zum Teil nichts einbringenden ersten Jahre, im Durchschnitt tatsächlich mindestens etwa 6%—7%> v*e*~