Mannheim
Compact Memory

Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 708

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Jüdische Rentenbank
Date
1924-01-01
Page
708 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/3101111-3101201-3101213-3109914--7532-3109951
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

708 Herman Glenn: und neue Aufstiegsmöglichkeit geben wollen: der arabische Nationalismus wird uns nicht schonen und nicht gelten lassen, wird über erbarmungslosen und hinterhältigsten Plänen brüten, wenn wir uns nicht rechtzeitig im Lande als Macht konsolidieren. Und diese Macht können wir natürlich nur auf wirtschaftlichem Wege gewinnen, nur durch ungeheure Intensivierung des Werkes der Kolonisation. III. Zur Überwindung der brennend gewordenen Zinsnot, die jetzt den Aufbau Erez-Israels radikal hemmt, ist — soviel wir sehen — bisher nur ein einziger Plan in der zionistischen Literatur gegeben worden: der Plan der Errichtung einer jüdischen Notenbank gerade im Hinblick auf jenes Ziel (Arlosoroff). Das Gold bezw. die hochwertigen Devisen des Grundstocks sollten, selbst zu den heutigen hohen Zinssätzen, durch eine erste — genügend gedeckte — Anleihe von etwa 12 Millionen j£? aufgebracht werden; eine demgegenüber etwa verdoppelte Notenemission sollte entsprechend auf den Zinsfuß drücken, diesen also etwa auf die Hälfte hinunterbringen. Die Erlaubnis der englischen Regierung wäre natürlich vorauszusetzen. Leider besitzt dieser Plan, trotz einiger wichtiger theoretischer Gesichtspunkte, innere Schwierigkeiten, deren Beseitigung zurzeit wohl doch nicht gut möglich sein dürfte. Die Mandatsmacht, so groß ihr Interesse an der jüdischen Kolonisation auch ist, hat ein fast noch größeres Interesse daran, nach außen hin möglichst paritätisch zu erscheinen; kann man sich aber ernstlich ein Land mit zwei Goldnotenbanken verschiedener Nationalität vorstellen? Schon aus diesem Grunde denkt England, soweit es sich mit diesen Problemen befaßt, an die Errichtung eben einer eigenen „paritätischen" Goldnotenbank für Palästina, die natürlich rein englischen Interessen dienen wird und für unsere Kolonisation, vor allem also für eine hinreichende Ermäßigung des Zinssatzes gegenüber den jüdischen Kolonisten, so gut wie gar nicht in Frage kommen wird. Noch größer sind aber die wirtschaftlichen Schwierigkeiten einer solchen Ermäßigung zu nennen. Man kann den Zinssatz eines Wirtschaftsgebiets nicht nach Belieben von oben diktieren; abgesehen von vielen tieferen Ursachen, die erst zu einer hinreichenden Vermehrung der umlaufenden Geldmittel führen, hängt er äußerlich eben von der Menge dieser umlaufenden Geldmittel und ihrem Werte ab. Auch wenn es also gelingen würde, die dabei doch etwas „verwässerten" Noten einer jüdischen Notenbank in Palästina, analog den geregelteren Verhältnissen alter Kulturländer, ohne Disagio in Fluß zu erhalten, würde der Zinsfuß bei ihrer Vergebung doch nur dann stärker gesenkt werden können, wenn damit dem Geldbedarf des ganzen Landes, zugleich mit einer geregelten Hebung seiner gesamten Wirtschaft, entsprochen werden könnte. Auf solche Wirkung ist aber sehr schwer zu hoffen; ein Disagio infolge einer, wenn auch „normalen" Inflation wäre auf die Dauer vielleicht nicht aufzuhalten; die Grundlage der beabsichtigten Zinsermäßigung wäre somit ernstlich bedroht,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.