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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 705

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Das neue Arabien
Date
1924-01-01
Page
705 (sequence 9)
Language
German
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Das neue Arabien 705 einen seit einiger Zeit zwischen beiden Ländern geplanten Vertrag mit ihm so abfasse, daß er die Existenz einer arabischen Föderation unter der Führung Husseins anerkenne und schaffen helfe. Am 3. März 1924 erklärte die türkische Nationalversammlung das Kalifat, das bis dahin mit dem Hause Osmans verbunden war, für abgeschafft. Am 14. März desselben Jahres ließ sich Hussein zum Kalifen ausrufen. Der greise Monarch hatte unzweifelhaft einige Rechtsansprüche auf diesen Titel. Die Würde des Kalifats ist im Koran nicht vorgesehen, und über ihre rechtlichen Grundlagen herrscht unter den mohammedanischen Gelehrten große Meinungsverschiedenheit. Aber die Abstammung vom Propheten, die Zugehörigkeit zum Stamme Koreisch und der Besitz der Stadt Mekka gehören zu jenen Titeln, die am glaubwürdigsten mit dem Kalifat verbunden werden. Das Kalifat ist keinesfalls eine geistliche Würde. Dennoch wird von dem Inhaber oft Gelehrsamkeit und ein würdiger Lebenswandel erwartet, was beides bei Hussein zutrifft. Aber der Kalif ist vor allem der weltliche Beherrscher der Gläubigen, ihr Schutzherr mit dem Schwerte und der Mehrer des Glaubens. Er soll der Oberherr aller mohammedanischen Fürsten sein und muß daher über eine starke militärische Macht verfügen. Dies ist bei König Hussein keinesfalls der Fall gewesen. Sein Kalifat wurde auch allgemein nicht anerkannt, und von größter Bedeutung ist in dieser Beziehung das Rundschreiben, das der oberste geistliche Würdenträger Ägyptens, der Rektor der berühmten Universität von El Azhar in Kairo, am 25. März 1924 erlassen hat. In diesem Rundschreiben wird mit Recht darauf hingewiesen, daß nach der mohammedanischen Tradition der Kalif vor allem auch als weltlicher Fürst im Besitze der vollen Macht sein müsse und die rein geistliche Auffassung des Kalifats, die die türkische Regierung im November 1922 bei der Einsetzung Abdul Medschids kundgetan hatte, dem Rechte widerspreche. Angesichts der großen Bedeutung des Kalifats für das Prestige und die Einheit des Islam beruft das Rundschreiben einen mohammedanischen Kongreß für März 1925 nach Kairo zur Wahl eines Kalifen ein. Die Annahme der Kalifenwürde durch Hussein und die beabsichtigte Gründung eirier arabischen Föderation, die seinen eigenen Staat von drei Seiten umgeben hätte, veranlaßte Ibn Saud in diesem Sommer, zum Angriff gegen seinen Rivalen vorzugehen. Sein erstes Ziel war Transjordanien, aber seine Truppen konnten gegen die Technik der englischen Panzerautomobile und Luftschiffe nicht standhalten. Dagegen gelang ihm die Eroberung des Hedschas. König Hussein mußte abdanken und auf die Kalifenwürde verzichten. Sein Sohn Ali wurde zum König von Hedschas ernannt, aber die Kalifenwürde hat er nicht übernommen. In der heiligen Stadt Mekka herrschen wiederum wie vor hundert Jahren die Wahabiten. König Ali ist auf die Hafenstadt Dschedda beschränkt, wo auch die fremden Konsuln leben, die als Ungläubige Mekka nicht betreten dürfen. Ibn Saud jedoch erkennt König Ali nicht an und will im Hedschas seine eigene Verwaltung errichten. Infolge dieser Ereignisse gehört der Plan einer arabischen Föde- Heft 12. 45

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