Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Das neue Arabien
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 704 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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7©4 Hans Kohn: König Hussein stand nun auf dem Gipfel seiner Macht. Aber dem Kenner der arabischen Verhältnisse war es nicht zweifelhaft, daß Ibn Saud sich mit diesem Zustand nicht zufrieden geben werde. Im Jahre 1919 hatte wegen des Besitzes einiger Grenzdörfer bereits ein Krieg zwischen ihm und Hussein stattgefunden, worin die Wahabiten die Streitkräfte des Hedschas entscheidend geschlagen und in der Nähe von Taif an 4500 von Husseins Soldaten getötet hatten. Aber aus einem unbekannten Grunde verfolgte damals Ibn Saud seinen Sieg nicht weiter. Die folgenden Jahre benutzte er dazu, um seine Macht auf der arabischen Halbinsel immer mehr zu festigen. Durch die Einsetzung der Söhne Husseins in Transjordanien und in Mesopotamien sah sich Ibn Saud nicht nur im Westen, sondern auch im Norden und Osten seines Reiches von seinem alten Gegner bedroht. Schon im Juli 1922 schrieb Arthur Moore in der Times: „Es ist eine Tatsache, daß seit die englische Regierung Abdullah jenseits des Jordans und Feisul im Irak eingesetzt hat, Ibn Sauds wahabitische Krieger nicht viel mehr daran hindert, Mekka und Medina zu verwüsten, als die 60 000 die England jährlich Ibn Saud zahlt, um dieses Unglück abzuwenden. Daß dies noch lange so gehen wird, ist unwahrscheinlich." Die britische Regierung hatte Ibn Saud außer dieser jährlichen Subvention noch 35 000 Gewehre geliefert. Aber ebenso zahlte sie eine jährliche Subvention an König Hussein. Mit dem Ende des vorigen Finanzjahres wurden diese beiden Zahlungen eingestellt. Dies war mit eine Ursache des nun bald darauf folgenden offenen Kampfes zwischen Ibn Saud und Hussein. So wie Ibn Saud und mehr noch als er ist Hussein ein Förderer der arabischen Literatur und Kultur. Er soll einer der besten Kenner des klassischen Arabisch sein. Seine offizielle Zeitung El Kibla, deren Redakteur er selbst war, zeichnete sich durch ihre Sprachreinheit aus. Er liebte arabische Dichtkunst und war ihr eifrigster Förderer. Aber als Herrscher war er in allem ein richtiger orientalischer Despot, von dessen patriarchalischer Regierungsweise manche ergötzliche Anekdoten erzählt" werden. Kaum waren die britischen Subsidien eingestellt, als er an die Besteuerung seiner Untertanen ging. Mekka und Medina waren als heilige Städte unter den Türken steuerfrei gewesen. Sie liebten Husseins Steuern ebenso wenig wie seine despotische Regierungsweise. Auch dies mag zu dem schnellen Sturze König Husseins beigetragen haben. Aber vielleicht noch schwerer wog die Annahme der Kalifenwürde durch Hussein. Im November 1923 hatte die britische Regierung eine Konferenz nach Kuweit am Persischen Golf einberufen, um dort eine Vermittlung zwischen Ibn Saud und den anderen arabischen Fürsten herbeizuführen. Hussein fühlte skh zu sicher in seiner Stellung, als daß er einen Delegierten hin entsandt hätte, und durch manche Fehler des britischen Vertreters ging die Konferenz im April 1924 ergebnislos auseinander. Statt nach Kuweit hatte sich König Hussein nach Transjordanien zu einem Besuche seines Sohnes Abdullah begeben, wohl in der Hoffnung, von dort aus einen stärkeren Druck auf die britische Regierung ausüben zu können, damit sie