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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 703

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Das neue Arabien
Date
1924-01-01
Page
703 (sequence 7)
Language
German
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Das neue Arabien 703 Bei Kriegsausbruch suchte die britische Regierung sich vor allem der Freundschaft des damaligen Scherifen Hussein zu versichern. Der Familie des Propheten entstammend und im Besitze der heiligen Stadt, vermochte Hussein nach englischer Ansicht am besten die Wirkung des Heiligen Krieges, den die Türken propagiert hatten, zu paralysieren. Aber wichtiger für sie war wahrscheinlich noch, daß er den Zugang zum Roten Meere und nach Aden beherrschte. Hussein erklärte seine volle Unabhängigkeit von den Türken und nahm im Jahre 1916 den Titel König von Hedschas an. Von Anfang an war seine Macht geringer als die seines Rivalen Ibn Saud. Das Königreich Hedschas erstreckt sich in der Länge von ungefähr 1100 Kilometer entlang der Ostküste des nördlichen Teiles des Roten Meeres. Seine größte Breite beträgt ungefähr 300 Kilometer. Es ist vielleicht der wenigst einladende Teil Arabiens, eine trockene bäum- und wasserlose Wüste, An größeren Städten zählt es nur Mekka, Medina, Taif und Dschedda. Die Zahl seiner Bewohner wird auf ungefähr 300 000 geschätzt. Sie sind an kriegerischem Geiste den Wahabiten weit unterlegen. Daß dennoch die britische Regierung Hussein und nicht Ibn Saud zum Träger einer arabischen Föderation machen wollte, lag daran, daß die Wahabiten Sektierer sind, deren Glauben für die Städtebewohner Mesopotamiens oder Syriens unannehmbar ist, und an der überragenden Bedeutung, die Mekka heute noch immer als ein Zentrum mohammedanischer Pilger hat, die aus Marokko und Zentralafrika ebenso dahin strömen, wie von den Philippinen und von Java. Diese jährliche Pilgerfahrt, die stets zu gleicher Zeit erfolgen muß, ist vielleicht das stärkste einigende Band des Islam. Die Pilger selbst müssen auf ihrer Fahrt und im Hedschas eine ganze Reihe Zeremonien gemeinsam vollbringen, und diese kultische Gemeinsamkeit schlingt ein neues Band um sie. Nach glaubwürdigen Berichten sollen die Pilger freilich nicht immer einen guten Eindruck von dem Leben und den Bewohnern Mekkas mitgenommen haben. Die Familie des Scherifen scheint sich deswegen in weiten Kreisen der islamischen Welt keiner Beliebtheit erfreut zu haben. Hussein hatte zuerst den Titel König der Araber angenommen, aber er ließ ihn bald wieder fallen. Doch trotz der Bedeutung Mekkas genügte ihm sein Königreich nicht, um die Basis für ein größeres arabisches Reich zu bilden. Die englische Regierung kam ihm zu Hilfe. Sie machte seinen Sohn Feisul zuerst zum Könige von Damaskus und dann zum König von Bagdad. Diese beiden Städte hatten einst die glänzenden Höfe der großen Kalifendynastien gesehen. Sie sollten wieder unter einem Herrscher aus dem Hause Haschims Sitze arabischer Kultur und arabischer Macht werden. Ein anderer Sohn König Husseins, Abdullah, wurde Emir von Transjordanien. Diese drei Staaten, von denen Mesopotamien ein reiches Lana mit wichtigen Handelsstädten und ungefähr 3 000 000 Bewohnern darstellt, während Transjordanien ein bedeutungsloses, meist von Halbnomaden bewohntes, armes Gebiet ist, dessen Bevölkerung auf ungefähr 3oo 000 Seelen geschätzt wird, sollten die Grundlage einer arabischen Föderation bilden.

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