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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 702

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Das neue Arabien
Date
1924-01-01
Page
702 (sequence 6)
Language
German
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702 Hans Kohn: Ideen, wie sie der Krieg mit sich brachte, durch die Proklamierung der Ziele der verbündeten Mächte und durch die Auswirkung der russischen Revolution erfuhr1). Ibn Raschid, der Sultan von Hail, war ein Bundesgenosse der Türken, während sowohl Ibn Saud, der Sultan von Nedschd, wie auch der Scherif von Mekka, Hussein, sich mit Großbritannien verbündeten. Die Jahre während und nach dem Weltkriege sahen eine allmähliche Schwächung der Macht Ibn Raschids. Als Bewerber um die Führung in Arabien blieben nur Ibn Saud und Hussein, die beide nicht nur persönliche Rivalität, sondern jahrhundertelange Feindschaft und Gegensatz der religiösen Auffassungen trennte. Beide Fürsten waren Englands Verbündete. Beide strebten nach Erweiterung ihrer Macht. In beiden war es nicht nur der Wunsch, den Glanz ihres Hauses zu vermehren, der sie antrieb, sondern auch die Hoffnung, eine neue Einheit der arabischen Stämme herbeizuführen und den vergangenen Ruhm arabischer Kultur, Dichtung und Theologie wieder erstehen zu lassen. Dieses Ideal einer Renaissance der arabischen Rasse und Kultur ward auch in der Proklamation verkündet, die der britische kommandierende General nach der Eroberung Bagdads im Jahre 1917 erließ: „Es ist nicht der Wunsch der britischen Regierung, euch fremde Einrichtungen aufzuerlegen. Es ist ihre Hoffnung, daß die Aspirationen eurer Philosophen und Schriftsteller wieder einmal verwirklicht werden sollen. Das Volk von Bagdad soll blühen und sich seines Reichtums erfreuen unter Bedingungen, die im Einklang mit seinen heiligen Gesetzen und seinem Rassenideale stehen. Die verbündeten Regierungen wünschen und hoffen, daß die arabische Rasse wiederum zu ihrer Größe erwache und zu diesem Zwecke sich selbst in Eintracht zusammenschließe." Solche Erklärungen konnten ihrerseits nicht verfehlen, auf die führenden arabischen Kreise Eindruck zu machen. Die britische Regierung suchte die Entstehung einer solchen arabischen Föderation zu fördern und bediente sich zu diesem Zwecke der Aspirationen Husseins, des Scherifen von Mekka. Mekka war seit unvordenklichen Zeiten die heilige Stadt der Araber und das Zentrum für Wallfahrer gewesen. Hier war der Schwarze Stein, der zu Adams Zeiten vom Himmel gefallen war, hier befanden sich vor Mohammeds Auftreten die goldenen Statuen aller möglichen Götter, darunter auch die der Stammväter Abraham und Ismael. Der Mekka beherrschende Stamm der Koreisch, dem auch der Prophet Mohammed angehört hatte, war im Besitze dieser Heiligtümer. Haschim, des Propheten Urgroßvater, ist der Stammvater der Familie der Haschimiden, der auch die Scherif e von Mekka entstammen. Unter der türkischen Oberherrschaft genossen die Scherife das Recht der Exterritorialität in Mekka und in ihrer Sommerresidenz Taif, hatten ihre eigenen Repräsentanten in Medina und in Dschedda, der Hafenstadt von Mekka, und besaßen eine gewisse eigene Jurisdiktion und Militärmacht. 1) Siehe darüber Hans Kohn „England im Nahen Osten" in Der Jude, VI. Jahrg. Heft 12, sowie „Rund um Palästina" II und III in Selbstwehr - Prag, 7. März und 13. Juni 1924.

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