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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 701

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Das neue Arabien
Date
1924-01-01
Page
701 (sequence 5)
Language
German
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Das neue Arabien ein neues wahabitisches Reich mit der Hauptstadt Riad. Es war jedoch nur von beschränktem Umfang, und im Norden entstand ihm im Schammargebiete ein Rival unter Abdullah Ibn Raschid in Hail. Auch die Bewohner Schammars gehörten dem wahabitischen Glauben an, und sie behaupteten in der zweiten Hälfte des neunzehnten Jahrhunderts die Hegemonie in, Zentralarabien. Erst im Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts gelangte Ibn Saud von Riad, dem eigentlichen Sitze der Wahabiten, zu neuer Macht. Kämpfe zwischen ihm und Ibn Raschid füllten den Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts aus. Während dieser Zeit wurde Ibn Saud von der britischen Regierung unterstützt, die unterdessen ihr Protektorat über den wichtigen Hafen von Kuweit errichtet hatte, während Ibn Raschid sich der Unterstützung der Türken erfreute. Ibn Saud gelang es 1913, auch El Hasa von den Türken wieder zurückzuerobern, wenn er auch über dieses Gebiet weiterhin ihre nominelle Oberherrschaft anerkannte. Eine neue Periode des Aufstiegs begann nun für die Wahabiten, die schließlich von der zweiten Einnahme Mekkas im Jahre 1924 gekrönt wurde Ibn Saud gelang es, eine starke Regierung in Zentralarabien zu errichten. Der Engländer H. St. J. B. Philby, der als der zweite Europäer die arabische Halbinsel durchquert und seit 191^ als englischer Vertreter am Hofe Ibn Sauds gelebt hat, schildert voll Sympathie die Einrichtungen und die gute- Ordnung im Nedschd. Zugleich mit der politischen Neuordnung trat dort auch eine Wiederbelebung des religiösen Interesses und der Lehre Abdul Wahabs ein. Ibn Saud ließ die Schriften des Stifters der Sekte wie auch andere Werke der wahabitischen Theologie und Geschichte in Bombay neu drucken. Mit diesem Wiedererwachen des religiösen Lebens ging auch ein Wiedererwachen des nationalen Bewußtseins und der Wertschätzung der nationalen Kultur Hand in Hand. Die Wahabiten betrachten die anderen Mohammedaner mehr oder weniger als Heiden und richten ihren besonderen Haß gegen Mekka und gegen das Kalifat. Ibn Saud begründete 1912 den Achwan oder die Brüderschaft, ein Versuch, im Sinne Mohammeds die alten Stammesfeindschaften in einer religiösen Einheit zu überwinden Der alte Wahabiglaube wurde so reformiert und erhielt neue Macht. Es mag von Interesse sein, hier kurz darauf hinzuweisen, daß Wahabmissionäre ihren Glauben auch nach Indien getragen haben, wo in Bengal starke Bewegungen ähnlicher Art hervorgerufen wurden. Der Wahabismus erreichte sogar Sumatra im Osten und Negerstämme im Sudan im Westen. Aber seine wichtigste Auswirkung war die Gründung des Senussi-Ordens, auch eines Achwans oder einer Brüderschaft, die um die Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von Mohammed Ali es-Senussi in Nordafrika gegründet wurde. So stand das eigentliche Arabien in den letzten Jahren unmittelbar vor dem Weltkrieg im Zeichen eines steten Aufstiegs und einer nationalen Renaissance. Der Weltkrieg beschleunigte die Entwicklung des neuen Arabiens in doppelter Weise: durch die Einmengung der britischen Politik in die arabischen Angelegenheiten und durch die allgemeine Belebung, die* die nationale Idee im Orient durch die nähere Berührung mit westlichen

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