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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 700

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Das neue Arabien
Date
1924-01-01
Page
700 (sequence 4)
Language
German
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7oo Hans Kohn: Ibn Saud, der Gründer der Dynastie, die noch heute über die Wahabiten herrscht und dessen Nachkomme vor einiger Zeit Mekka eingenommen hat, war ursprünglich nur der Chef eines lokalen Stammes. Aber bald wiederholte sich in kleinerem Maßstabe, was sich einst unter Mohammed zugetragen hatte. Er und seine nächsten Nachfolger breiteten die Lehre und damit auch ihre politische Herrschaft über Nedschd und über das Gebiet von El Hasa an der Westküste des persischen Golfes aus. Letzteres ist ein Gebiet mit ungefähr 300 000 Einwohnern, das die Hafenstädte Kuweit und Katif umfaßt, die die Endpunkte der Karawanenstraßen nach dem Nedschd bilden, und die große Oasenstadt Hofuf, einen Stapelplatz für den ganzen Verkehr Ostarabiens, mit ungefähr 35 000 Einwohnern. Am Ende des achtzehnten Jahrhunderts hatten die Wahabiten ein mächtiges Reich errichtet, das wiederum die arabischen Stämme in Zentral- und Ostarabien politisch einigte und dessen verbindendes Element die gemeinsame Religion bildete. Wie die Mohammedaner die Zeit vor dem Auftreten Mohammeds als die Periode der „Unwissenheit" bezeichneten, so bezeichneten die Wahabiten die Zeit vor dem Auftreten Abdul Wahabs mit dem gleichen Namen. Und schon bereiteten sich die Wahabiten, ihr größeres Ziel zu erreichen, die Einheit aller arabischen Stämme in dem neuen gereinigten Glauben durchzuführen, wie es einst Mohammed getan hatte. Im Jahre 1801 eroberten sie Kerbela, das berühmte schiitische Heiligtum am rechten Eufrat-Ufer, töteten die Einwohner, verwüsteten das heilige Grab und entführten die seit Jahrhunderten in diesem Heiligtum angesammelten Schätze in ihre Heimat. Nur ein Jahr später hatten sie sich bereits gegen Westen gewandt und das größte Heiligtum des Islams, Mekka selbst, eingenommen. Die Plünderung der Stadt war verboten worden, aber die Gräber der Heiligen und alle äußerlichen Gegenstände der Verehrung wurden schonungslos zerstört. Im Jahre 1804 fiel auch Medina, und damit hatte das wahabitische Reich seinen größten Umfang erreicht. Wieder waren alle arabischen Stämme geeinigt, Gesetz und Ordnung herrschte in der Wüste, und ein arabisches Nationalbewußtsein war wieder entstanden. Auch die südarabischen Gebiete, der Yemen im Südwesten und Oman im Südosten der Halbinsel, kamen unter wahabitischen Einfluß. Über ein Jahrzehnt herrschten die Wahabiten im Hedschas, aber ihre Verwüstung des Grabes Mohammeds und das Bestreben des türkischen Sultans, seine nominelle Oberherrschaft über Mekka und damit das Anrecht auf die Kalifenwürde zu erhalten, bereiteten dem Wahabitenreiche ein jähes Ende. Der Sultan ernannte den albanischen General Mohammed Ali zum Pascha und Khediv in Ägypten mit dem Auftrage, gegen die Wahabiten vorzugehen. Der Krieg dauerte acht Jahre und endete mit der vollständigen Besiegung der Wahabiten und der Zerstörung ihrer Hauptstadt Deraiya. Aber Zentralarabien konnte infolge der schwierigen Verhältnisse der Zufuhr und der Kostspieligkeit der Besatzung von den Ägyptern nicht lange gehalten werden. Einige Jahre später gründete ein Nachkomme Ibn Sauds

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