Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Das neue Arabien
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 699 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Das neue Arabien 699 und der umgebenden Kulturen sich geltend gemacht hatte. Die Rechabiten und die Kreise, denen die Propheten Elia und Arnos nahe standen, waren Vertreter der puritanischen Strenge der alten nomadischen Wüstenreligion. Aus ähnlichen Kreisen stammt die Bewegung der Wahabiten, mit deren Auftreten im achtzehnten Jahrhundert die neue Geschichte der Araber anhebt. Diese Bewegung hatte die Formen eines Protestes gegen kultische Mißbräuche und einer religiösen Reform angenommen; denn eine andere Form gab es zu jener Zeit im Oriente nicht, und selbst in Europa war sie erst im Entstehen. Aber die Bewegung der Wahabiten trug nicht nur religiösen, sondern zu gleicher Zeit ebensosehr nationalen und politischen Charakter. Die Bewegung nahm ihren Ursprung im Innern Zentralarabiens, in der Landschaft Nedschd. Dieses Gebiet ist noch wenig erforscht, und nur eine verschwindend geringe Anzahl von Europäern hat es bis heute betreten. Nach ihren Schilderungen ist es wüstes Hochland, aber diese Wüste ist von zahlreichen Oasen und Tälern durchschnitten, in denen reiche und große Städte und schöne Pflanzungen entstanden sind. Englische Forschungsreisende, die das Land während des Weltkrieges besucht haben, rühmen die guten Märkte, die stattlichen Villen in prachtvollen Gärten. Die Bevölkerung des Nedschd wird auf mindestens eine Million geschätzt, aber manche Forscher setzen die Bevölkerungsziffer weit höher an. Die alte Hauptstadt war Deraiya, der ursprüngliche Sitz der wahabitischen Bewegung; aber seit 1824 diente Riad, eine Stadt von über 20 000 Einwohnern, als Sitz des Sultans. Den nördlichen Teil von Nedschd bildet die Landschaft Schammarr die eine Zeitlang den Wahabiten die Hegemonie im Innern Arabiens streitig machte und deren Hauptstadt Hail ist, dessen Einwohnerzahl ein europäischer Besucher im Jahre 1893 auf 12 000 geschätzt hat. Von den Bewohnern Nedschds sind ungefähr ein Drittel Nomaden und zwei Drittel mehr oder weniger ansässig. Der Stifter der wahabitischen Sekte war Mohammed ibn Abdul Wahab im achtzehnten Jahrhundert. Er war in Mekka gewesen und hatte dort all die Mißbräuche gesehen, die die ursprüngliche Lehre des Islam verdrängt hatten. Mekka teilte das Schicksal der meisten heiligen Städte. Die Pilger wurden das Opfer einer gewissenlosen Fremdemndustrie, und Nachrichten über alle möglichen Laster und Verderbtheiten wurden verbreitet. Abdul Wahab war ein gelehrter Mann, der auch in Basrah und Damaskus studiert hatte. In den Nedschd zurückgekehrt, richtete er seine Angriffe gegen die Korruption im Islam, gegen die unzähligen Heiligen und ihre Verehrung, gegen die ihnen errichteten Heiligtümer, zu denen die Mohammedaner zu pilgern pflegten, und gegen die Verweichlichungen des Stadtlebens. Er verbot das Tabakrauchen, schärfte das Verbot des Weingenusses neuerlich ein, trat gegen Luxus' in der Ausschmückung der Moscheen, wie auch in der persönlichen Kleidung und Lebensweise auf. Die Wahabiten sind bis heute seinen Lehren treu geblieben. Im Jahre 1742 gelang es ihm, den. Scheich Mohammed Ibn Saud von Deraiya zu seinem Glauben zu bekehren.-