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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 12 · p. 696

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 12
Article
Der Zwang zur Weltpolitik
Date
1924-01-01
Page
696 (sequence 8)
Language
German
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696 Siegmund Kaznel so n : Der Zwang zur Weltpolitik Amerikas für die jüdische Einwanderung. Für die neuerdings auftauchenden Kolonisationsprojekte (Mexiko usw.) sind weder die Millionen des Barons Hirsch noch das geistige Kapital des Idealismus, den die Chaluzim nach Palästina mitbringen, verfügbar. Nur um den zehntausend Emigranten zu helfen, die in den verschiedenen europäischen Hafenstädten trotz der von ihnen erlangten amerikanischen Visa infolge Erschöpfung der Quoten der Auswanderungsländer monatelang warten müssen, wird jetzt in Amerika eine größere Aktion unternommen. Welch winzig kleiner Ausschnitt ist die Frage dieser Auswanderer gegenüber dem großen Gesamtproblem! Selbst der entschiedenste Antizionist in Amerika muß jetzt, sofern ihn auch nur menschliche Solidarität mit den unzähligen Unglücklichen verbindet, die im Osten Europas verzweifelt einen Ausweg aus ihrer Lage suchen, ihnen den Weg nach Palästina weisen und diesen erleichtern. Die erhöhte Verantwortung des amerikanischen Judentums Palästina gegenüber ist damit schon aus diesem Grunde gegeben. Amerika war seit den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts für die Juden Osteuropas nicht eine Zufluchtsstätte unter vielen, sondern nahezu die einzige. Es war sozusagen das natürliche** jüdische Einwanderungszentrum. Die Ansiedlung in den Vereinigten Staaten bedeutete nicht nur Erlösung vom politischen, sondern vielfach auch vom wirtschaftlichen und sozialen Druck der früheren „Heimat*'. Und sie ermöglichte infolge der Bedingungen des Landes, insbesondere der kompakten jüdischen Massensiedlungen, eine verhältnismäßig rasche Akklimatisierung der Einwanderer in beruflicher, sprachlicher und mancher anderen Beziehung. Eine ähnliche Anziehungskraft kann Palästina erst mit dem Fortschreiten des jüdischen Aufbauwerkes gewinnen. Aber infolge der auch in aller Zukunft geringeren wirtschaftlichen und anderen Möglichkeiten wird sie niemals diejenige Amerikas erreichen können. Stünden die Vereinigten Staaten noch für die Einwanderung offen, so könnte dieses Manko vielleicht durch das Plus der idealen Anziehungsgründe wettgemacht werden. So aber wird leider Palästina wohl keine Konkurrenz mit Amerika zu befürchten haben. Darin liegt unzweifelhaft auch eine große Gefahr. Viele Elemente, die im amerikanischen Schmelztiegel verschwanden, können dem kleinen Palästina sehr gefährlich werden. 4- Der allgemeinen Verschlimmerung, die in der Weltsituation des Judentums während des Jahres 1924 eingetreten ist, steht die Besserung der jüdischenPosition in Palästina gegenüber, die eine ganze Reihe von Ursachen hat: die Währungsstabilisierung in den östlichen und mitteleuropäischen Ländern, die die Übersiedlung von kapitalkräftigen Elementen zur Folge hat; die Zersplitterung der arabischen Parteien und damit das Nachlassen der Widerstände von dieser Seite; die Aufrechterhaltung der Ruhe, während im Irak, in Syrien und Ägypten schwere innere Kämpfe im Gange waren, zum Teil noch nicht beendet sind, und Hedschas und Transjordanien auch von außen her schwer bedroht werden; die Erschließung neuer landwirtschaftlicher und industrieller

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