Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 12
- Article
- Der Zwang zur Weltpolitik
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 697 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Hans Kohn: Das neue Arabien 697 Produktionszweige — Tabakbau, Steinbearbeitung usw. — und infolgedessen Verschwinden der jahrelangen Arbeitslosigkeit sowie steigende Einwanderung; konsequentere Förderung der jüdischen Anstrengungen durch die Landesverwaltung und ihre festere Haltung den arabischen Extremisten gegenüber; Anwachsen des Touristenstromes mit seinen unmittelbaren und indirekten Vorteilen für das Land; Abflauen der antizionistischen Strömung in England und unverändertes, wenn nicht gesteigertes Wohlwollen der englischen Regierung; Erhöhung der Bedeutung des Völkerbunds und daher wirksamere Kontrolle über die Ausführung der Bestimmungen des Palästina-Mandats zugunsten der jüdischen Heimstätte.1) — Das alles ist wohl nur eine augenblickliche Konstellation, die sich ganz oder zum Teil wieder ändern kann. Aber sie gibt doch eine deutliche Richtung für die Zukunft, und darin liegt ihr dauernder, unverlierbarer Wert. In Palästina herrscht wieder das Gefühl, daß man vorwärts gekommen ist, und es herrscht die Sicherheit, daß allen möglichen Rückschlägen zum Trotz diese Entwicklung nicht mehr aufzuhalten ist. Dies ist die positive Seite der heutigen jüdischen Weltlage. Sie ergibt, mit den negativen Ursachen vereinigt, jenen Zwang zur zionistischen, zur jüdischen Weltpolitik, der so stark ist, weil er jetzt nicht nur die Kraft einer Idee und das Gewicht ihrer allgemeinen Anerkennung, sondern die Macht der Tatsachen hinter sich hat. Für diejenigen, die bisher der geistigen Wirkung des Zionismus sich zu entziehen vermochten, wird die Logik der Tatsachen ebenso zwingend sein wie für die Zionisten und viele der ihnen Nahestehenden das seelische Erlebnis ihres Judentums und die Erkenntnis des einzigen Weges zu seiner Wiedergeburt. HANS KOHN / DAS NEUE ARABIEN Die moderne Geschichte Arabiens beginnt mit einer religiösen Bewegung im achtzehnten Jahrhundert. Ebenso hatte die mittelalterliche Geschichte Arabiens mit einer religiösen Bewegung begonnen. Beide waren zugleich nationale Reformbewegungen. Mohammed war in seiner eigenen Auffassung nicht der Stifter einer Weltreligion, sondern der Prophet der arabischen Rasse. Er sah es als seine Aufgabe an, den höheren Gottesglauben, den Juden und Christen bereits hatten, seinen Stammesbrüdern zu übermitteln und zugleich die einander befehdenden Stämme in einem brüder- *) Wenn der ungünstige Bericht der Mandatskommission des Völkerbunds, der bei der Niederschrift dieses Aufsatzes noch nicht vorlag, diese Kontrolle zu Gunsten der Araber ausübte, so kann dies an unserer Stellung der Völkerbundsidee gegenüber nichts andern. Diese, die in der augenblicklichen Genfer Interessenvertretung der Staaten ja keineswegs vollkommen realisiert erscheint, berührt sich tief mit der jüdischen und zionistischen Idee.