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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 684

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Reorganisation des "Hechaluz"
Date
1924-01-01
Page
684 (sequence 2)
Language
German
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684 Umschau: Chaluzbewegung freien Aufenthalt nehmen dürfen. Dies ist nicht „unmöglich" — wie man mir sagte —, sondern nur schwer durchzusetzen. Ein Staat, der sich für berechtigt hält, Schutzhaft zu verhängen, müßte verpflichtet werden können, zeitlich beschränkten Aufenthalt zu gestatten. Weigert er sich — wie jüngst Rumänien gegenüber den Ukrainern —, so muß für jene Geschädigten, die als künftige palästinensische Staatrbürger zu betrachten sind, die Intervention der Schutzmacht gefordert werden. (Überschätze ich das Ansehen der Zionisten bei dieser Macht, so ist daran ebenderselbe bourgeoise Zionismus schuld, der jetzt über die „utopische" Erwartung grinst.) Jeder Chaluz soll, muß das Recht bekommen, zwei Jahre im Durchzugslande zu wohnen, das er nach dieser Zeit verläßt. Ist die Aufenthaltsbewilligung zu verklausulieren, so übernimmt der „Merkas Hechaluz" die Garantie für das unpolitische Verhalten des Chaluz und (wenn nötig) dafür, daß er nur in einigen, der fremden Regierung anzuziegenden Orten wohnen wird. Die einzig würdige — und wertvolle! — L a n d e s p o 1 i t i k zionistischer Parteien kann nur darin bestehen ,von ihren Regierungen zu verlangen und zu erreichen, daß einzelne Orte als Asylorte für die jüdischen P a 1 ä s t i n a w a n d e r e r bestimmt werden. Gelingt es, den Chaluz zwei Jahre an einem Orte zu halten, dann ist die wichtigste Vorbedingung erfüllt, um die Organisation zu festigen. Sie hat dann Zeit, ihre Mitglieder auszubilden. Die politische Bemühung um das Asyl und ihr Erfolg: die rechtliche Sicherung, sind die conditio sine qua non vor der Ausbildung. Diese selbst muß geändert werden nach den bisherigen Erfahrungen und gemäß dem angestrebten Ziel: a) in der Erziehung (betrifft die Arbeit, die Lebensform und die Sprache); b) in der Verwaltung (betrifft die Verantwortlichkeit, die Gliederung, die Fürsorge und die Wanderung); c) in der äußeren Vertretung. a) Erziehung Arbeit. Ziel: den Chaluz zum leistungsfähigen Arbeiter zu machen. Heute muß die Mehrzahl der Chaluzim Schwarzarbeit tun. Um sie dem Chaluz erträglich zu machen, wird die Notlüge gebraucht, sie sei erzieherisch. Dies ist bestimmt unrichtig. Nicht einmal von solchen, die Arbeit ideologisch am meisten überschätzen, wird die schwarze Arbeit als Erziehungsmittel angesehen. In Wahrheit ist sie ein Verfahren, Menschen schwachsinnig zu machen. Pathetisch, aber unübertrieben, wird man sie die Hölle nennen, in der gelernte Arbeiter zum Selbstmord, ungelernte zur Desertion und Faulheit getrieben werden. Die Schwarzarbeit, die dem Chaluz den Eindruck des „Unterwegs" bis zur Unerträglichkeit steigert, muß eingestellt werden. Die Arbeit muß an einen dauernden Aufenthaltsort und an einen genauen Ausbildungsplan gebunden sein. Sie ist nach dem gegenwärtigen und voraussichtlichen Bedarf der palästinensischen Wirtschaft zu bestimmen. Dort ist zweierlei Bedarf: nach dem höchstleistungsfähigen Spezialisten in stadtwirtschaftlichen Fächern und nach dem durchschnittsleistungsfähigen landwirtschaftlichen Arbeiter, der neben der Landwirtschaft das eine oder andere stadtwirtschaftliche Fach versteht. Es ergeben sich zwei Ausbildungsformen: die spezialisierende (für vorgebildete Arbeiter in Bau-, Bekleidungs-,Hauseinrichtungs-,Transport-, Beleuchtungs- und den übrigen stadtwirtschaftlichen Arbeiten) und die k o m - binierende (für Ackerbau, Gärtnerei, Viehzucht, Forstwirtschaft und irgendein stadtwirtschaftliches Fach). Die zu Spezialisten Auszubildenden müßten während zweijähriger Ausbildungszeit am Schulungsort bleiben, die anderen sollten Sommers Landarbeit, Winters Stadtarbeit tun. Durch solche Ausbildung würde erreicht werden, daß der in Palästina angekommene sogleich beschäftigungsfähig ist. Jeder in den „Hechaluz" Eintretende müßte sofort ein Fach wählen und an den Ausbildungsort geschickt werden. Nach vollendeter Ausbildung reist er in disziplinierte1, Kwuzah nach Palästina. Praktisch bedeutet diese Forderung, daß in Hinkunft W i f *" Schaftszellen übers Meer geschickt werden; landbezw. stadtwirtschaftliche Kooperationen; einzeln von stadtwirtschaftlichen Arbeitern nur solche, die das Land

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