Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Reorganisation des "Hechaluz"
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 683 (sequence 1)
- Language
- German
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UMSCHAU CHALUZBEWEGUNG Reorganisation des „Hechaluz" Die rückläufige Bewegung des politischen Zionismus trifft das Volk am schwersten dort, wo sein sozialer Wille sich sammelt: im „Hechaluz". Der Einfluß des Bürgertums, dem England offiziell das Rederecht zur Kolonisierung zugestanden hat und das aus diesem Titel für sich das Patronat über alles, was jüdisch ist und eine Änderung der Lebensform anstrebt, in Anspruch nimmt — dieser unheilvolle Einfluß hat die junge Bewegung in eine Abhängigkeit gebracht, welche ihren Bestand gefährdet. „Hechaluz" gilt als illegitim. „Unser" ist er dem zionistischen Redner und ihm nur als Ausstattungsstück des rednerischen Spieles. Aber auch der sozialistische Zionist weiß nicht recht, was er mit dem Chaluz anfangen soll. Er kann nicht mittun, und der Chaluz weigert sich hartnäckig, mitzureden. Keine politische Partei wagt auf eine Organisation zu bauen, die jeder Politisierung ausweicht. Es besteht und verbreitert sich die unbehagliche politische Laune, und der „Hechaluz" bleibt inmitten des Mißmutes isoliert. Der Zustand wird sich verschlimmern; die Situation des jüdischen Volkes zwingt jeden zur Stellungnahme, politische Neutralität wird zur Lüge. Der Bourgeoisie ist der „Hechaluz" verloren; aber keine der sozialistischen Parteien wird ihn gewinnen. Etwas anderes wird geschehen: „Hechaluz" wird die sozialistischen Parteien erobern und den bürgerlichen Zionismus aus der Macht werfen. Er ist die Zukunft. Gegenwärtig steht die Organisation in einer Krise. Ununterbrochen kommen von außen schwere Störungen, die ihr Gleichgewicht angreifen. Die ungesicherte Rechtslage für polnische und russische Chaluzim, die noch keineswegs endgültig überwundene Wirtschaftsnot in Palästina erzeugen Schäden, zu deren Überwindung die ganze Energie der Organisation — immer wieder und wieder! — angestrengt werden muß. Freventlich werde die Kritik am „Hechaluz" zu einer Kritik der chaluzischen Moral journalisiert. Nun, ich bin nicht der Meinung jener, welche sagen, daß die jungen Menschen, die heute in den „Hechaluz" kommen, „schlechter" sind als jene, die vor 3 Jahren, zur Zeit der zweiten Alijah, gekommen sind. Und ich zögere nicht, den, Menschenmaterialisten" zu bürgen, daß die moralische Schwäche in jenem Moment behoben sein wird, wenn auch nur ein Teil der objektiven Schwierigkeiten überwunden ist. Den „alten" „Hechaluz" wird es nicht wieder geberi — aber den neuen. Jener war — daran vergessen die Kritiker — keine Organisation, sondern eine Aktionsgemeinschaft einiger tausend Begeisterter, die ein Ziel nahe sahen und sich bestrebten, es schnell zu erreichen. Das Ziel ist heute entfernt, und der Impuls (früher aus der erregten Seele des Volkes genährt) ist schwächer geworden. Die»Distanz im Zeitlichen kann nur durch Zucht, durch Selbstzucht, überwunden werden. Keine Stimmung, sondern eine Haltung kann heute nach Palästina führen. Deshalb ist nicht eine Aktion, sondern eine Erziehung anzustreben. Damit zum Resultat nicht eine Exaltation werde, sondern eine soziologische Standfestigkeit. „Hechaluz" ist ein organischer Bestandteil im Aufbau; jeder wirtschaftliche Mißerfolg trifft ihn, und sein Versagen gefährdet das ganze Werk. Die Wechselwirkung des Niederganges muß sich bis zum Bankrott fortpflanzen, wenn es nicht gelingt, irgendein Relais zum widerstandsfähigen Kraftzentrum zu machen. Hierzu ist kein Teil des Aufbauorganismus geeigneter als der „Hechaluz". Reorganisiert er sich, so besitzt die Idee wieder festen Halt. Von da an wird die Wechselwirkung aus einer bösen zu einer heilsamen: die Stöße des Panischen werden im widerstandsfähigen Gefüge aufgefangen und ausbalanziert. „Hechaluz" ist dann: der sichere Weg, über den die Wanderung geht1; die Verbindung zwischen Palästina und Chuzlaarez, durch die seelische Kraft — daher und dorthin — geleitet wird; das Reservoir der produktiven Kräfte, ja, die wichtige Vorbereitungsstelle; endlich: das Sicherungsnetz für die Idee. Am dringendsten ist es, die Stellung des Chaluz rechtlich zu sichern. Die zuständigen zionistischen Ämter müssen für jene Chaluzim, die aus Polen, Rußland oder der Ukraine mit dem Ziele Palästina aufbrechen, erwirken, daß sie für die Zeit der Ausbildung in den D urchzugsländern