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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 676

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Von Israels Auserwähltheit
Date
1924-01-01
Page
676 (sequence 7)
Language
German
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676 Wladimir Solowjew: dieser Feindschaft, die der östliche Dualismus ihr gegenüber empfand. Sie sahen in der materiellen Natur nicht den Teufel und nicht Gott, sondern nurdie wertfremde Wohnung des gottmenschlichen Geistes. Während der praktische und theoretische Materialismus sich der materiellen Tatsache — als einem Gesetze — fügt, während sich der Dualist von der Materie — als vom Bösen — abwendet, veranlasste der religiöse Materialismus die Juden, der materiellen Natur die größte Aufmerksamkeit zuzuwenden, aber nicht um ihr zu dienen, sondern, um in ihr und durch sie Gott zu dienen. Sie mußten in ihr das Reine vom Unreinen, das Heilige vom Fehlerhaften trennen, um sie für den Tempel des höchsten Wesens würdig zu machen. Die Idee der heiligen Körperlichkeit und die Sorgen um die Verwirklichung dieser Idee nehmen im Leben Israels einen unvergleichlich wichtigeren Platz ein als bei irgend einem anderen Volk. Hierher gehört ein bedeutender Teil der Gesetzgebung Mosis über die Unterscheidung des Reinen und Unreinen und über die Gebote der Reinigung. Man kann sagen, daß die ganze religiöse Geschichte der Juden darauf gerichtet ist, daß man dem Gotte Israels nicht nur heilige Seelen, sondern auch heilige Körper bereiten soll ...... Jetzt ist es klar, daß dieser heilige Materialismus der Juden der unmittelbaren Erfüllung der zwei ersten Eigenschaften dieses Volkes gar nicht widerspricht, sondern, im Gegenteil, gerade ihr dient: jener Erfüllung seiner starken Religiosität und seiner Energie des Selbstbewußtseins und der Selbsttätigkeit. Der gläubige Israelit will, daß der Gegenstand seines Glaubens die ganze Fülle der Wirklichkeit besitzen, sich bis zu Ende verwirklichen soll; seinerseits kann weder die Energie, noch die Aktivität des menschlichen Geistes sich mit dem abstrakten Inhalt der Ideen und Ideale begnügen — sie verlangt deren reale Verkörperung, verlangt, daß der geistige Grund die materielle Wirklichkeit völlig in Besitz nehme — und das setzt in der Materie selbst die Fähigkeit zu einer solchen Vergeistigung voraus — es setzt die geistige und heilige Körperlichkeit voraus. Der religiöse Materialismus der Juden stammt nicht aus dem Unglauben, sondern aus dem Überfluß des Glaubens, der nach seiner Erfüllung dürstet, nicht aus der Schwäche des menschlichen Geistes, sondern aus seiner Kraft und Energie, die sich nicht fürchtet, sich durch die Materie zu verunreinigen, sondern die die Materie reinigt und sich ihrer für ihre Zwecke bedient. Auf diese Weise haben die drei Haupteigenschaften des jüdischen Volkes in ihrer vereinten Wirksamkeit der hohen Bestimmung dieses Volkes direkt entsprochen, und befähigten es dazu, daß in ihm die Vollendung der göttlichen Sache sich vollziehen konnte. Im festen Glauben an den seienden Gott zog Israel die Erscheinung und Offenbarung Gottes an sich heran; im Glauben an sich selbst konnte Israel in persönliche Beziehung zu IHWH treten, mit ihm von Angesicht zu Angesicht reden, mit ihm ein Bündnis schließen, ihm dienen, nicht als passives Werkzeug, sondern als tätiger Verbündeter. Endlich, kraft dieses tätigen Glaubens, nach der endgültigen Realisation

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