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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 675

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Von Israels Auserwähltheit
Date
1924-01-01
Page
675 (sequence 6)
Language
German
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Von Israels Auserwähltheit 675 gemäße Analyse, alles Seiende auf die elementaren Fakta der materiellen Natur zurück, alle Wahrheiten der göttlichen und geistigen Ordnung systematisch verneinend. Wie der praktische Materialismus stets überall da war, wo sittlich-rohe Menschen waren, so geht auch der theoretische Materialismus durch die ganze Geschichte der Philosophie hindurch, in verschiedenen Abarten, sich in seiner Metaphysik gewöhnlich mit der Atomtheorie, in seiner Erkenntnistheorie mit dem Sensualismus vereinigend, und für seine Ethik einerseits die Lehre von der Lust als dem höchsten Ziel (Hedonismus) ausnützend, andererseits sich auf den Determinismus stützend, d. h. auf die Lehre von dem unfreien Charakter aller menschlichen Betätigungen. Diese beiden Arten des Materialismus sind dem Judentum nicht spezifisch eigen. Bei wirklichen Juden begegnen wir sehr selten dem praktischen Materialismus in seiner reinen Form: wie schon bemerkt wurde, läßt sich auch ihre allgemeine Liebe zum Gelde durch höhere Ziele erklären — der Bereicherung und des Ruhmes von ganz Israel. Auch der wissenschaftlichphilosophische Materialismus ist nicht auf semitischem Boden erwachsen, sondern auf dem Boden der griechisch-römischen und nachher der romanischgermanischen Bildung; nur durch die Vermittlung dieser Bildung können sich die Juden die materialistische Philosophie aneignen, die ihrem eigentlichen nationalen Geist ganz fremd ist. Dafür aber war diesem Nationalgeist von jeher die dritte, besondere Art des Materialismus eigen, welche sich von den beiden ersten radikal unterscheidet und die ich der Kürze wegen mit einer nicht völlig genauen Benennung als den religiösen Materialismus bezeichne. Die Juden, treu ihrer Religion, die Geistigkeit der Gottheit und die Göttlichkeit des menschlichen Geistes völlig anerkennend, konnten und wollten diese höchsten Ursachen nicht abtrennen von ihren materiellen Äußerungen, von ihren körperlichen Formen und Hüllen, von ihren äußersten und endlichen Verwirklichungen. Der Jude verlangt für jede Idee und für jedes Ideal eine sichtbare und fühlbare Verkörperung und wohltätige Wirkungen; der Jude will ein Ideal, das nicht die Kraft hat, sich Wirklichkeit zu erobern und sich in ihr zu verkörpern, nicht anerkennen; der Jude ist fähig und bereit, die höchste geistige Wahrheit zu bekennen, aber nur unter der Bedingung, daß er ihre reale Tätigkeit sehen und fühlen kann. Er glaubt an das Unsichtbare (denn jeder Glaube ist Glaube an das Unsichtbare), aber er will, daß dieses Unsichtbare sichtbar werde und seine Kraft offenbare; er glaubt an den Geist, aber nur an einen solchen, der alles Materielle durchdringt; und die Materie als seine Hülle und sein Werkzeug gebraucht. Den Geist von seinem materiellen Ausdruck nicht abtrennend, hat der jüdische Gedanke ebenso auch die Materie von ihrem geistigen und göttlichen Ursprung nicht abgetrennt; er hat die Materie an sich nicht anerkannt, er hat dem materiellen Sein, als solchem, keine Bedeutung zuerteilt. Die Juden waren nicht Diener und Anbeter der Materie. Andererseits, fern vom abstrakten Spiritualismus, konnten sich die Juden zur Materie nicht mit Gleichgültigkeit und Entfremdung verhalten, und noch weniger mit 43*

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