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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 671

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Von Israels Auserwähltheit
Date
1924-01-01
Page
671 (sequence 2)
Language
German
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Von Israels Auser wählt hei t 671 Nach Dostojewskys Auffassung liegt die Schuld für den Antisemitismus lediglich an den Juden, indem sie, durch ihr verwerfliches Verhalten den christlichen Völkern gegenüber, den Antisemitismus als notwendige Reaktion hervorrufen. Solowjew stellt dagegen folgende Feststellung an die Spitze seiner Untersuchungen über die Judenfrage: „Die gegenseitigen Beziehungen des Judentums und des Christentums im Laufe der vielen Jahrhunderte ihres gemeinschaftlichen Lebens weisen einen bemerkenswerten Umstand auf. Die Juden betrachteten und behandelten das Christentum immer und überall gemäß den Vorschriften ihrer R e*l i gi o n f gemäß ihrem Glauben und ihrem Gesetz. Die Juden verhielten sich uns gegenüber immer jüdisch, wir Christen, im Gegenteil, haben bisher noch nicht gelernt, uns zum Judentum christlich zu verhalten. Sie haben in bezug auf uns ihr religiöses Gesetz nie übertreten; wir aber übertraten und übertreten ständig in bezug auf sie die Gebote der christlichen Religion." Für Dostojewsky waren die Banken, der gesamte Kapitalismus und die Ausbeutung der niederen Klassen ein Werk der Juden. Darauf erwidert Solowjew: „Das Unglück liegt nicht in den Juden und nicht im Gelde, sondern in der Herrschaft, in der Allmacht des Geldes, und dies* Allmacht ist nicht von den Juden geschaffen worden. Nicht die Juden setzten Gewinn und Bereicherung zum Ziel der gesamten ökonomischen Tätigkeit, nicht die Juden haben das ökonomische Gebiet von dem religiössittlichen getrennt. Das aufgeklärte Europa stellte in der sozialen Wirtschaft gottlose und unmenschliche Prinzipien auf, und dann macht es den Juden Vorwürfe, weil sie diesen Prinzipien folgen." In Dostojewskys Augen sind die Juden die Verkörperung des niedrigen geldsüchtigen Materialismus. Wie anders sieht Solowjew den jüdischen Materialismus! „Wenn der Eigennutz in den Beziehungen zwischen den Menschen nicht mehr herrschen wird, dann wird auch seine Herrschaft in den Beziehungen des Menschen zur Natur aufhören. Und in der Theokratie wird die materielle Natur dem Menschen auch viel mehr dienen als jetzt, aber dieser Dienst wird sich auf gegenseitige Liebe gründen. Die Natur wird sich dem Menschen in Liebe fügen, und der Mensch wird die Natur mit Liebe pflegen. Und welches Volk ist zu einer solchen Pflege der materiellen Natur — mehr als alle anderen! —befähigt und berufen als die Juden, die deren Existenzberechtigung von Anfang an anerkannten, und, ohne sich ihrer blinden Kraft zu fügen, in ihrer abgeklärten Form die reine und heilige Hülle des göttlichen Wesens sahen? Und wie einst die Blüte des Judentums das empfängliche Medium für die Fleischwerdung der Gottheit war, so wird das zukünftige Israel ein aktiver Mittler werden für die Vermenschlichung des materiellen Lebens und der materiellen Natur, für die Schöpfung der neuen Erde, auf der die Wahrheit lebt" * * *

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