Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 11
- Article
- Aktenstücke zu den Legalisierungsversuchen der Zionistischen Organisation in Rußland
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 667 (sequence 6)
- Language
- German
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Aktenstücke zu den Legalisierungsversuchen der Zion. Organisation in Rußland 667 ziehten und die Dividende für zionistische Zwecke bestimmen. In Palästina haben wir eine Bank („Anglo Palestine Company Ltd."), m*t einer Zentrale in Jaffa und Filialen in Jerusalem, Beyrouth, Hebron, begründet, die unmittelbar den jüdischen Ackerbautreibenden und Industriellen die Wohltaten eines billigen und rationellen Kredits zuteil werden läßt. Wir sammeln einen Fonds (,,Nationalfond s"), der dazu bestimmt ist, Boden in Palästina zu erwerben. Unsere Organisation ist insbesondere in den letzten Jahren stets auf eine starke reale Grundlage in Palästina bedacht. Zu diesem Zwecke haben wir verschiedene praktische Einrichtungen zur Förderung des Ackerbaues, der Industrie und des Handels geschaffen und dem jüdischen Erziehungswesen in Palästina eine besondere Aufmerksamkeit gewidmet. Auf allen diesen Institutionen liegt der Sonnenschein der Klarheit, der öffentlichen Kontrolle und der loyalen Sicherheiten, die mit den Gesetzen der verschiedenen Länder übereinstimmen. Lange vor meiner jetzigen Präsidentschaft, zu Lebzeiten Herzls, war ich Präsident der zionistischen Finanzinstitute, und die Hauptbemühungen meinerseits und seitens meiner Kollegen bestanden darin, diese Institutionen auf eine solide Basis zu stellen. Die Erfahrung hat gezeigt, daß diese Gründungen zu einer gedeihlichen Entwicklung geführt haben. Die bescheidenen Mittel, die die Begeisterung für eine heilige Idee verschafft hat, werden für produktive, ehrliche Arbeit in Palästina nutzbar gemacht. Doch sind das nur kleine Anfänge dem großen Ziel gegenüber, das wir anstreben. Wir müssen unsere Idee in die verschiedensten Kreise unseres Volkes tragen, wir müssen mit unbeugsamer Kraft die Ängstlichen und Zaudernden durch sittliche Impulse und weise Belehrungen zu gewinnen suchen. Nur auf diesem Wege werden wir die Kräfte und Mittel finden, die für die Erreichung unseres Zieles notwendig sind. Ew. Exzellenz! In Rußland lebt die Hälfte des jüdischen Volkes, und gerade diejenige Hälfte, die zu einem großen Teil für den Zionismus in Betracht kommt. In den jüdischen Massenzentren Rußlands, in den Kreisen, die so intensiv jüdisch empfinden und leiden, hat die zionistische Idee seit dem ersten Kongreß, ja noch zuvor, tiefe Wurzel gefaßt. Sie hat viele Juden sittlich gestärkt, das Gefühlsleben der Jugend veredelt, die Traditionen verlebendigt und, was das Wichtigste ist, für die Kolonisation Palästinas eine Reihe von musterhaften Pionieren gestellt. Im Zionismus stand der russische Jude dem westeuropäischen nicht wie bei anderen Hilfswerken als Empfänger dem Gebenden gegenüber. Nein! Gleichwertigkeit der Leistungen trat an Stelle des erniedrigenden Verhältnisses. Denn im Zionismus haben die Juden vor sich nicht ein russisches, deutsches oder englisches Problem, sondern eine neutrale Frage, die ihren Stamm betrifft und die dahin zielt, ein menschenwürdiges Dasein und eine eigene Entwicklung derjenigen Teile unseres Volkes zu sichern, die unstät, land- und obdachlos ein beschämendes Jammerbild für sich und die Menschheit darbieten. In richtiger Erkenntnis dieser Bestrebungen hat uns die russische Regierung früher keine Schwierigkeiten gemacht. Die Propaganda war geduldet, und die Vereine mochten ihre Arbeit tun. Im Jahre 1903 wurde Dr. Herzl nach Petersburg berufen und konferierte mit den damaligen Vertretern der russischen Zentralregierung. Die Frage wurde ins richtige Licht gesetzt, und es erfüllte uns mit besonderer Genugtuung, daß auch die russische Regierung sich bereit erklärt hat, unsere Bestrebung zu unterstützen, und zu erfahren, daß wir auch auf eine gewisse auswärtige Förderung unserer kolonisatorischen Ziele von Seiten der russischen Regierung rechnen dürfen. Nach all dem Vor hergesagten kann ich es nur als ein betrübendes Mißverständnis betrachten, daß der Zionismus in der letzten Zeit in Rußland einer unversöhnlichen Stimmung seitens der Behörden gegenüber steht. Als Leiter der Organisation darf ich wohl sagen, daß ich die zionistische Partei in all ihren Verzweigungen übersehen und die ganze Tätigkeit der Partei kontrollieren kann. Bei einer Bewegung, an der sich große und verschiedenartige Massen beteiligen, ist es natürlicherweise nicht ausgeschlossen, daß unberufene, vereinzelte Personen jhr willkürliches Gebaren als Parteiarbeit darzustellen suchen. Von solchen Zufälligkeiten kann keine Partei und keine Organisation der Welt verschont bleiben. Im Gegenteil, das beste Mittel gegen solche Mißdeutungen ist eben eine offene, programmäßige Existenz der betreffenden Partei.