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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 658

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
658 (sequence 21)
Language
German
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658 Ar.je.h Tartakower: die bereits im Moment ihrer Gründung 135 Volksschulen mit 20000 Schülern, 63 Kindergärten mit 4000 Kindern und 31 Abendschulen mit 3500 Zuhörern umfaßte. Die jiddischen Schulen in Ostgalizien — es gab ihrer damals 14 — schlössen sich ihr später an. In die Leitung der Organisation traten die Führer der drei Parteien „Bund", „Poale-Zion" und „Vereinigte" ein. Die „Zeire- Zion", die von Anfang an die jiddische Schulbewegung nicht mitgemacht hatten, hielten sich auch von der Organisation dieser Schulen fern. Hand in Hand mit dieser starken Entwicklung der politischen Bewegung ging auch das Aufblühen der gewerkschaftlichen und der Genossenschaftsorganisation. Es gingen wiederum alle Parteien dazu über, eigene Gewerkvereine ins Leben zu rufen, wobei freilich der Nachteil der Zersplitterung der gewerkschaftlichen Bewegung in mehrere sich gegenseitig bekämpfende Vereine bestehen bleib. Doch hatte der „Bund" in der Gerwerkschaf tsbewegung unbestritten die Führung. Lediglich bei den Handelsangestellten — in Galizien auch in einigen anderen Fächern — überwog der Einfluß der „Poale-Zion". Sehr gering blieb dagegen der Einfluß der „Vereinigten" und der „Zeire-Zion". Der Gegensatz zwischen den Gewerkvereinen des „Bund" und denen der „Poale-Zion" nahm übrigens zu jener Zeit eine prinzipielle Form an. Der „Bund" strebte zu großen Industrievereinen, die möglichst alle Arbeiter eines bestimmten Industriezweiges — z. B. der Schneiderei, der Tischlerei — umfassen sollten, während die Poale-Zion ebenso wie die „Vereinigten", sich für die kleineren Fachgruppen — innerhalb der Schneiderei z. B. Herren- und Damenschneider, Wäschearbeiter — erklärten. Um die Zweckmäßigkeit der einen und der andern Organisationsform wurde heftig gekämpft. Doch machten sich bald Reformbestrebungen geltend. Während sich einerseits große über den Rahmen einer einzelnen Stadt hinausgehende Landesvereine zu bilden begannen — den Anfang machten die Nadel- und die Lederarbeiter — trat andererseits das Bestreben hervor, nicht nur die verschiedenen jüdischen Gewerkvereine zusammenzufassen, sondern sie auch mit den Gewerkvereinen der polnischen Arbeiter zu vereinigen. Doch blieb dieses Bestreben, dessen hauptsächlichster Wortführer der „Bund" war und das bereits im Jahre 1916 einsetzte, infolge der ablehnenden Haltung der polnischen Arbeiterschaft lange Zeit fruchtlos und sollte erst 1920 zu einem günstigen Resultat führen. Die jüdische Arbeitergenossenschaftsbewegung in Polen, zugleich die einzige ernstzunehmendejüdischeArbeitergenossenschaftsbewegunginderGaluth überhaupt, war im Weltkrieg entstanden und durch ihn verursacht worden. Sie war zunächst und hauptsächlich eine Konsumgenossenschaftsbewegung. Erst nach dem Weltkrieg sind in Galizien auch Produktivgenossenschaften ins Leben gerufen worden — Mitte 1919 gab es ihrer in Westgalizien 14 und in Ostgalizien 4 — die es jedoch trotz ihrer nicht schlechten inneren Organisation — der Lohn war dem Wert der Arbeit angepaßt, dagegen wurde der Gewinn zu gleichen Teilen unter die Genossen verteilt — und anfänglicher Erfolge zu keiner kräftigen Entwicklung bringen konnten. Aber auch die Entwicklung der Konsumgenossenschaftsbewegung stand sehr im Zeichen

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