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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 657

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
657 (sequence 20)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 657 rate ein. In Kongreßpolen dagegen unterblieb dieser Schritt infolge der Weigerung der bürgerlichen Parteien, den Nationalrat auf Grundlage demokratischer Wahlen zu bilden. Die Vorgänge gegen Ende des Jahres 1918 veranlaßten die jüdischen sozialistischen Parteien, wiederum einen heftigen Kampf um die Demokratisierung der jüdischen Gemeinden aufzunehmen, in dem auch Teilerfolge errungen wurden. In vielen Gemeinden, insbesondere in Galizien, gelangten die Vertreter der jüdischen sozialistischen Parteien in die Verwaltungen, in einer von ihnen, in Przemysl, wurde ein jüdischer Sozialist, Dr. Rosenfeld, sogar zum Vorsitzenden der Gemeindeverwaltung gewählt und nützte diese Stellung zum großzügigen Ausbau des Hilfswerks für die notleidende jüdische Bevölkerung aus. Im Zusammenhang mit dieser lebhaften politischen und agitatorischen Tätigkeit wuchs auch die jüdische sozialistische Presse in Polen stark an. Der „Bund" begann ab Dezember 1918 sein bisher jede Woche erscheinendes Organ, die „Lebensfragen", als Tageszeitung herauszugeben. Die Z. P. S. in Galizien riefen ihr anfangs des Weltkrieges durch die Behörden eingestelltes Blatt, den „Sozialdemokrat", wiederum ins Leben. Die „Poale- Zion" schufen sich in Kongreßpolen eine besondere Wochenschrift, die „Arbeiterzeitung"; in Westgalizien wurde von ihnen — allerdings nur für kurze Zeit — der „Jüdische Kämpfer" herausgegeben; in Ostgalizien lebte das alte Organ, der „Jüdische Arbeiter", — zuerst in Stanislau, dann in Lemberg — wiederum auf, das allerdings auch während der Kriegszeit ab 19x7 in Wien erschienen war. Das Organ der „Zeire-Zion", die „Befreiung", erschien seit 1919 in Warschau. Neben diesen regelmäßig erscheinenden Parteiorganen wurde eine Unmasse nichtperiodischer Publikationen, Broschüren, Flugschriften und Proklamationen gedruckt und verbreitet. In sehr großzügiger Weise sorgten die jüdischen sozialistischen Parteien — inder Hauptsache der „Bund" und die „Poale-Zion"J—für die Entwicklung des jüdischen Schulwerks in Polen, das während des Weltkriegs entstanden war, sich aber erst nach seinem Abschluß intensiv zu entwickeln begann. Überall wurden jüdische Kindergärten, Volksschulen und Abendkurse, an manchen Orten auch Volksuniversitäten begründet und mit großer Aufopferung erhalten, wobei freilich der Hauptteil des Budgets aus den amerikanischen Geldern, den Subventionendes J. D. C. —in welch es das bereits erwähnte amerikanische Arbeiterhilfskomitee, das People Relief Comitee, eingetreten war — gedeckt wurde. Die Zöglinge all dieser Schulen rekrutierten sich naturgemäß fast ausschließlich aus den unbemittelten Schichten des Volkes, in der Hauptsache aus der Arbeiterschaft. Die Schulen wurden von Anfang an in einem streng weltlichen und jiddischistischen Geist geführt. Zur Förderung des jiddischen Schulwesens wurde vom „Bund" im Jahr 1921 eine besondere Gesellschaft „Unsere Kinder" ins Leben gerufen, die ihre Aufgabe sehr gut erfüllte. Die Bestrebungen, all diese Schulen in einer einzigen Organisation zusammenzufassen, setzten rasch ein, und so entstand Mitte 1921 auf der ersten Konferenz der jiddischen Schulen die „Zentrale Jüdische Schulorganisation in der Polnischen Republik" (Z. J. Sch. O.), He" 11. A2

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