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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 656

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
656 (sequence 19)
Language
German
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656 Arjeh Tartakower: eine ganz selbständige Politik und ließ sich durch die Vorgänge in Rußland und der Ukraine, die ihre dortigen Bruderparteien zur Auflösung brachten, nur wenig beeinflussen. Auch die „Poale-Zion" schufen auf ihrer ersten Konferenz nach Abschluß des Weltkriegs — Warschau, Dezember 1918 — eine selbständige Partei und beschlossen auf derselben Konferenz, die ,,Poale-Zion"-Gruppen in Westgalizien in diese aufzunehmen, während die „Poale-Zion" in Ostgalizien aus politischen Gründen als eigene Partei bestehen blieben und sich als solche auf ihrer ersten Parteikonferenz, Oktober 1919, konstituierten. Auch da vollzog sich die völlige Loslösung von der Partei in Rußland, mit der man nunmehr nur durch die Tatsache des Bestehens eines Weltverbandes verbunden blieb. Auch die ,,Vereinigten'' bildeten eine selbständige Partei, die allerdings nur in wenigen Städten — in der Hauptsache in Warschau und in Tschenstochau — Anhänger besaß. Die polnischen ,,Zeire-Zion" bildeten seit der dritten Konferenz der polnischen Zionisten, November 1918, eine selbstständige Fraktion und zwar, nachdem sich der Schwerpunkt der „Zeire-Zion" Bewegung, der in den Jahren 1917—18 in der Ukraine gewesen war, nach Polen verschoben hatte, die stärkste Landesfraktion der nunmehr, nach der Ausbildung besonderer Gruppen in Rußland, in der Ukraine, in Litauen, Weißrußland und kurz hierauf auch in Palästina und in Amerika, interterritorial gewordenen Bewegung. Bereits nach der zweiten Konferenz der polnischen „Zeire- Zion" — Warschau, Februar 1919 —die das sozialistische Programm der noch immer eine Fraktion innerhalb der Zionistischen Organisation bildenden Bewegung klar formulierte und daher auch den Exodus eines Teiles der Mitglieder zur Folge hatte, begannen übrigens die Versuche, diese verschiedenen Teile in einem Weltverband zusammenzufassen. Die auf solche Weise herausgebildeten jüdischen sozialistischen Parteien in Polen nahmen von Anfang an den lebhaftesten Anteil an der Entwicklung des allgemeinen politischen und jüdischen Lebens im Lande. Als sich im November des Jahres 1918 überall Arbeiterräte bildeten, traten auch alle jüdischen sozialistischen Parteien in diese ein — bei den Wahlen zu den Arbeiterräten bildeten sich Blocks des „Bund", der „Poale-Zion" und der S. S., in Warschau, Lodz und einigen Provinzstädten — und nahmen einen sehr aktiven Anteil an deren Tätigkeit. Desgleichen machten die jüdischen sozialistischen Parteien die Wahlen zur polnischen Konstituante und zu den Stadträten mit. Den „Poale-Zion" gelang es sogar, ein Mandat in der Konstituante im Chelmer Wahlbezirk — Listenführer Dr. Max Rosenfeld —, zugleich das einzige jüdische sozialistische Mandat im Sejm, zu erkämpfen. Ziemlich groß war auch die Zahl der in die Stadträte gewählten jüdischen sozialistischen Vertreter, die mutig den Kampf um die Befriedigung der Bedürfnisse der jüdischen arbeitenden Bevölkerung, insbesondere auf dem Gebiete der Lebensmittelversorgung und der Schulpolitik, aufnahmen. Was das innere jüdische Leben betrifft, so traten die jüdischen sozialistischen Parteien in Ost- und Westgalizien in die nach dem Ausbruch der Revolution gebildeten jüdischen National-

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