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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 648

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
648 (sequence 11)
Language
German
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Arjeh Tartakower: — März 1917—nahm die Forderung der national-personalen Autonomie in das Programm der Partei auf, wobei die Bezeichnung „personale" statt „politische" nur deswegen gewählt wurde, um nicht die Illusion zu erwecken, daß die Juden ein selbständiges politisches Leben in der Galuth führen können. Auf der Konferenz wurde betont, daß man sich nicht auf die Arbeit für die Regelung der jüdischen Emigration beschränken dürfe und daß das Streben zur territorialen Konzentrierung der jüdischen Arbeiterschaft und der Kampf um die Verteidigung ihrer Positionen in der Galuth zwei gleichwertige Faktoren seien. Hierdurch war das letzte Hindernis auf dem Weg der Vereinigung fortgefallen. Sowohl diese Konferenz als auch die fast gleichzeitig — Moskau, März 1917 — stattgefundene Konferenz der Sejmisten beschlossen die Verschmelzung beider Parteien. Am 1. Mai des Jahres 1917 erschien bereits ein gemeinsames Manifest, die definitive Vereinigung erfolgte gegen Ende desselben Monates. In dem Juristenabkommen wurde betont, daß die Partei auf dem Boden der territorialen Lösung der Judenfrage stehe, ohne sich indessen auf ein bestimmtes Programm in dieser Hinsicht zu versteifen. Dagegen sollte der Kampf für die Verwirklichung der nationalen Autonomie unmittelbar aufgenommen werden, deren Wirkungskreis Folgendes zu umfassen hätte: nationale Kulturarbeit, Volksbildung, professionell-technische Ausbildung, gesellschaftliche Versorgung, Statistik, Regulierung der Emigration und Kolonisation, sowie andere Aufgaben, die sich aus der Eigenart des jüdischen Lebens ergeben. Die Vereinigung der beiden Parteien erregte unter ihren Anhängern große Begeisterung, die hierin den Anfang der Vereinigung aller jüdisch sozialistischen Kräfte zu einer einzigen Partei sahen. Tatsächlich war eine derartige Meinung nicht nur unter den „Vereinigten", die von nun an sozusagen die Apostel der Vereinigung bleiben sollten, sondern auch unter den Mitgliedern der anderen Parteien in jener Zeit ziemlich weit verbreitet, und es wurden von neuem die gemeinsamen Seiten der jüdischen sozialistischen Parteien einer genauen Prüfung unterzogen. Indessen wurde aus dem Gedanken wiederum nichts, schon deswegen, weil die „Vereinigten" viel zu schwach waren, um einen nennenswerten Einfluß auf das jüdische öffentliche Leben ausüben zu können. Lediglich der Partei in der Ukraine gelang es — übrigens auch nur für sehr kurze Zeit — eine große Popularität zu gewinnen und sogar die Führung des jüdischen Lebens an sich zu reißen. In der russischen Partei begann nach ganz kurzer Zeit der Zerbröcklungsprozeß, der schließlich die Partei ganz ins Lager des Kommunismus brachte. Die polnische Partei — dort hatten die S. S., obwohl es da keine Sejmisten gab, auf ihrer dritten Landeskonferenz, November 1918, auch den Namen „Vereinigte" angenommen — hatte von vornherein keine große Bedeutung und litt bis zu ihrer definitiven Auflösung und ihrem Übergang in eine jüdische Sektion der polnischen „Unabhängigen Sozialistischen Partei" an fortwährenden inneren Kämpfen, wobei ein großer Teil ihrer Mitglieder zum „Bund" überging. Diese Entwicklung, wie übrigens auch die Entwicklung der russischen und der ukrainischen Partei, war in gewissem Sinne eine natur-

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