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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 644

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
644 (sequence 7)
Language
German
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644 Arjeh Tartakower: Kundgebung in der ganzen Welt starken Widerhall fand. Seit jener Zeit traten die „Poale-Zion" fast auf allen Konferenzen der 2. Internationale — in Bern, Luzern und Amsterdam — mit Erfolg für die jüdischen nationalen Forderungen auf. Mitte des Jahres 1919 wurde, im Zusammenhang mit den damals schwebenden Friedensverhandlungen, wiederum ein ausführliches Memorandum an die permanente Kommission der Internationale gerichtet, in dem insbesondere die Palästinaforderungen genau aufgezählt waren. Man verlangte eine rasche Naturalisierung der jüdischen Einwanderer, Freiheit der Tätigkeit im Lande für alle jüdischen Institutionen, Zuteilung von öffentlichen Arbeiten an die Juden, Nationalisierung des Grund und Bodens in Palästina, sozialpolitische Gesetzgebung im Land, die Anerkennung einer durch den jüdischen Weltkongreß gewählten Vorsteherschaft des jüdischen Volkes und nationale Autonomie für Juden und Araber. Indessen wurden manche von diesen Forderungen wegen ihrer allgemein nationalen Formulierung und der angeblichen Bevorzugung der Juden gegenüber der eingeborenen Bevölkerung von einigen, inzwischen sehr radikal gewordenen, Landesparteien selbst einer scharfen Kritik unterzogen. In dieser Hilfsarbeit einerseits und anderseits in der Arbeit um Durchsetzung der jüdischen Forderungen erschöpfte sich fast ganz die Aktivität der jüdischen sozialistischen Parteien in den ersten Kriegsjahren bis zum Ausbruch der russischen Revolution. Eine gewisse Belebung der sozialistischen Agitation brachte die deutsche OkkupationPolens mit sich, die den fortwährenden Druck der polizeilichen Verfolgungen abschaffte. Doch war auch das deutsche Regime ein äußerst strenges und ermöglich tenur geringe Bewegungsfreiheit. Immerhin konnten jetzt alle Parteien ungestört an die Organisierung ihrer Gewerkschaften herantreten und nützten die Gelegenheit aus. Es entstanden wiederum zahlreiche Gewerkschaften, die freilich vorerst hauptsächlich Hilfszwecke verfolgten. Man ging auch daran, in allen Städten gewerkschaftliche Zentralbureaus insLeben zu rufen. Der, ,Bund"gab seit 1916 mit Bewilligung der Okkupationsbehörden die im Jahre 1912 von der russischen Regierung eingestellte Wochenschrift „Lebensfragen" wiederum heraus, die jedoch von der Zensur sehr schikaniert wurde. Bei den Stadtratswahlen 1916 setzte überall eine lebhafte Agitation ein. Von allen jüdischen sozialistischen Parteien wurden in ihren Wahlaufrufen neben den allgemein sozialistischen die jüdischen Forderungen erhoben, insbesondere die der öffentlichen Anerkennung der jiddischen Sprache, der Gründung von Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache und der vollen Gleichberechtigung der Juden bei Zulassung zu den städtischen Ämtern. In Warschau schloß der „Bund" einen Block mit den linken P. P. S. und brachte einen Kandidaten dieser Partei durch, der hierauf im Stadtrat auch die jüdischen Forderungen mutig — wenngleich ergebnislos —verfocht. Sonst war an eine regelmäßige Parteiarbeit, in Europa wenigstens, kaum zu denken. Konferenzen der Parteien fanden hie und da statt — so eine Konferenz der S. S. und eine der „Poale-Zion" in Pinsk 1915, eine der „Poale- Zion" in Moskau 1916 und eine des „Bund" in Charkow 1916 — ohne be-

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