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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 11 · p. 641

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 11
Article
Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus
Date
1924-01-01
Page
641 (sequence 4)
Language
German
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Zur Geschichte des jüdischen Sozialismus 641 In Amerika machten die „Poale-Zion" den Anfang. Auf ihrer Konferenz in Rochester (Dezember 1914) sprachen sie zum erstenmal den Gedanken eines amerikanischen jüdischen Kongresses aus, der die Forderungen des jüdischen Volkes präzisieren solle. Der Gedanke fand unerwartet starken Widerhall. Es gelang, sowohl die „Jüdische Sozialistische Förderation" als auch den „Arbeiterring'' und die Mehrzahl der jüdischen Gewerkschaften für ihn zu gewinnen. So kam denn bereits September 1915 eine Konferenz fast der gesamten jüdischen Arbeiterschaft Amerikas zustande — auf ihr waren 350000 organisierte Arbeiter vertreten — die ganz dieser Frage gewidmet war und auch ein gemeinsames Vollzugsorgan: das „Nationale Arbeiterkomitee'' bildete. Nach langen und schweren Verhandlungen gelang es schließlich, sich über die zu erhebenden Forderungen zu einigen: die bürgerliche, politische und nationale Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern sollte gefordert werden. Zugleich wurde beschlossen, bei Beginn der Friedensverhandlungen einen eintägigen Generalstreik der jüdischen Arbeiterschaft als Demonstration für die jüdischen Forderungen zu proklamieren. Indessen dauerte die Eintracht nicht lange. Als sich das „Nationale Arbeiterkomitee'' in Verhandlungen mit dem assimilatorischen A. J. C. — „Amerikanisch-Jüdisches Komitee" — einließ und es durch allerlei Zugeständnisse für den Kongreßgedanken zu gewinnen suchte, traten die „Poale-Zion" Februar 1916 aus ihm aus, schufen ein eigenes „National- Sozialistisches Arbeiterkomitee" und führten von nun an die Propagandaarbeit selbständig weiter. Tatsächlich gelang es ihnen, eine weitere, wenngleich weniger zahlreich beschickte Arbeiterkonferenz zusammenzurufen, — März 1917, auf ihr waren 150 000 Arbeiter vertreten — und im Juni des Jahres 1918 sogar einen jüdischen Arbeiterkongreß für Palästina zustande zu bringen, der im Namen von 350 000 jüdischen Arbeitern die Forderung der Schaffung einer demokratischen Republik von gleichberechtigten Nationen in Palästina und freier Einwanderung für die Juden dorthin proklamierte. Gleichzeitig wurde die Nationalisierung des Grund und Bodens in Palästina, die Einberufung eines jüdischen Weitkongresses für den Palästinaaufbau und die eines allweltlichen jüdischen Arbeiterkongfesses gefordert. So war es denn zum großen Teil ein Verdienst der amerikanischen „Poale-Zion", daß der jüdische Kongreß in Amerika schließlich doch zusammentrat und die nationalen Forderungen der amerikanischen Judenheit präzisierte. Dagegen tat das „Nationale Arbeiterkomitee' c\ das nach dem Ausscheiden der „Poale-Zion" ganz unter den alleinigen Einfluß der „Jüdischen Sozialistischen Föderation" geriet, infolge der unentschlossenen Haltung der Führer nur sehr wenig, die sich zum energischen Handeln in Fragen, die das ganze jüdische Volk betrafen, somit also ihrem Programm zu widersprechen schienen, nicht aufraffen konnten. Auf dem Kongreß selbst, der erst nach Schluß des Weltkriegs, Dezember 1918, zusammentrat, waren sowohl die „Poale-Zion" als auch die „Jüdische Sozialistische Föderation" vertreten, auch wurden Vertreter beider Parteien in die zum Friedenskongreß entsandte Delegation der amerikanischen Judenschaft gewählt.

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