Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Französische Juden
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 607 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Französische Juden 607 fermete; appelons-la la sensibilite plasticienne; l'autre — l'ouie, l'audorat, le goüt — qui exempte d'une teile armature, consiste au contraire dans une Sensation sans contour incomparablement plus troublante; appelons la la sensibilite musicale. La premiere semble une sensibilite plus localisee, n'affectant qu'un coin determine de la conscience — la seconde semble un envahissement de Tetre total." Die heutige Gesellschaft neigt zu der letzten Art, zu mehr musikalischer Gefühlseinstellung. Diese Gefühlseinstellung ist zugleich eine mehr weibliche, daher die große Rolle, die die Frau in der modernen Gesellschaft spielt und die früheren Zeiten unbekannt war. Ist es der jüdische Einfluß, der an dieser Entwicklung die Schuld trägt? (Und hier blickt eine Gedankenreihe durch, die auch bei Weininger anzutreffen ist: moderne Gesellschaft Juden Feminismus. Aber bis in das neunzehnte Jahrhundert hinein, war die Stellung der Frau bei den Juden „unmodern". Der Ursprung der modernen Stellung der Frau liegt in dem westeuropäischen Frauenkult der Minnesänger und Ritter, der dem Judentum unbekannt war). Aber Benda lehnt diesa Erklärung als zu einfach ab. Er weiß von der Polarität des Juden: „man unterscheidet zwei Arten Jude; die Strengen und Moralisten und die Sensationslüsternen, oder, um in Symbolen zu sprechen, die Hebräer und die Karthager, JHWH und Belphegor, Spinoza und Bergson . . Und er selbst ist der Juif severe et moraliste, der Logiker und Ethiker, und er ist es in jüdischer Art bis ins Extrem, er ist ein Berauschter, ein Ergriffener, ein in seiner Totalität ungeteilt von der Einen Liebe zur Idee Besessener, mag er noch so sehr gegen den Rausch, gegen den „Envahissement de l'etre total" Stellung nehmen. Felix, dieser so jüdische Held seines Romans L'Ordination kennt diesen Rausch des Logikers: „Nicht mehr bloß die süße Berührung mit den Ideen, die er wie alle seiner Klasse beim Verlassen des Gymnasiums gekannt hatte, nicht mehr das bloße zärtliche Streifen der Doktrinen zwischen einem Besuch und einem Diner, sondern die leidenschaftliche, andauernde, ausschließliche Umfassung, ganze Wochen, zugebracht bei der Durchdringung eines Begriffes, ohne an etwas anderes zu denken, die fieberhafte Tätigkeit dieser Durchdringung und die Bangigkeit des Mißerfolgs und die Freuden des Triumphs und die keuchende Befruchtung der Idee durch eine andere und die Anspannung des ganzen Wesens wie die Spannung eines Liebenden, um zu wissen, ob die eine Idee der andern entspringt oder umgekehrt." Gleicht nicht dieser Rausch des antibergsonschen Logikers dem, den er als sensibilite musicale beschrieben hat? Denn die richtige Erkenntnis von der Doppeltheit der Sensibilite plasticienne und der Sensibilite* musicale hat ihn zu unrichtigen Folgerungen und sekundären Charakteristiken verführt. Aber in dem Schicksal seines Helden Felix schildert er nicht den Gegensatz zwischen den beiden Arten, der Bewußtseinsempfindung, sondern die Tragik zweier Wegrichtungen, die sich auf Grund der gleichen Bewußtseinsempfindung (und bei Felix ist es die sensibilite musicale) ergeben. Es ist der Kampf zwischen Idee und Leben, zwischen der Entsagung, der Askese und dem notwendigen Egoismus des geistigen Denkers und dem Wärmebedürfnis, der Abspannung, der Verknüpftheit mit anderen des natürlichen Menschen. Felix geht durch eine Jugendliebe hindurch, stürmisch für die Ewigkeit berechnet — mit dem unausbleiblichen Ende des Erkaltens, des Restes von Mitleid, der Tragik des Bruchs und der Reue. Felix gibt sich auch hier ganz hin. „II voulait penser que Tamour n'est rien s'il n'est pas tout .. . car il avait reve Tunicit6 de Tamour." Aber er befreit sich. Das Weib sucht durch einen geheimen Instinkt, im Manne, den sie liebt, die Freiheit und die Kraft zu zerstören, in ihm die weiche Sentimentalität der Schwäche zu erzeugen. Aber er wird ihren Bann abschütteln, zu den Starken, den Denkern, den Schaffenden gehen. * Er wollte nicht dem Mitleid erliegen. „Aber sein Herz brach beinahe an dieser Verhärtung. Denn er war von Natur zärtlich und