Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 591 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Bedeutung der Goldzihersehen Bibliothek usw. 59i des Mitglied der Petersburger Akademie, der Berliner Akademie, der Münchener Akademie, der Londoner British Academy, der Amsterdamer königlichen Akademie der Wissenschaften, der Madrider Academia de la Historia und der Gesellschaft der Wissenschaften in Göttingen; Ehrenmitglied der Deutschen Morgenländischen Gesellschaft, der Royal Asiatic Society, der American Oriental Society, des Institut Egyptien, der arabischen Akademie in Damaskus, der Asiatic Society of Bengal (Calcutta), der Philologischen Gesellschaft in Budapest und der Finnisch-Ugrischen Gesellschaft in Helsmgfors; auswärtiges Mitglied der Societe asiatique (Paris), des Niederländisch-Indischen Instituts, der Jewish Historical Society of England, der Religionswissenschaftlichen Gesellschaft in Stockholm, und schließlich permanentes Ausschußmitglied des deutschen Vereins zur Erforschung Palästinas, der Ungarischen Ethnographischen Gesellschaft, des Ungarischen Vereins für Hochschulwesen, des ,,Centralcommite des Congres Internationaux d'Histoire des Religions" und vieler anderer wissenschaftlicher Gesellschaften in verschiedenen Ländern. In die lange Reihe von Goldzihers Ehrungen muß noch eine eingefügt werden, die Zeugnis von seiner großen Popularität auch in den geringeren Kreisen seiner Stadt gibt und die beweist, welchen Eindruck seine natürliche Bescheidenheit, die eine Emanation innerer Seelengröße war, auf die schlichten Arbeiterkreise machte. Er war nämlich auch Ehrenmitglied der Budapester Dienstmännerinnung! Als eines Tages mehrere Dienstmänner in seiner Wohnung erschienen und ihn zu sprechen wünschten, war seine Dienstmagd nicht wenig beunruhigt, weil sie annahm, daß ihre Herrschaft ohne ihr Mitwissen einen großen Umzug beschlossen habe. Bestürzt meldete sie dem Herrn Professor, daß ,,die Dienstmänner" bereits da seien. Goldziher ging zu den Leuten hinaus und war nicht weniger erstaunt, als sie ihm erklärten, sie seien zu ihm mit dem Auftrag gekommen, ihm die Ehrenmitgliedschaft ihrer Gesellschaft anzutragen, nicht nur in Anerkennung seiner großen Verdienste um die Heimat als Gelehrter, sondern ganz besonders, weil er ein großer Freund der Arbeiter sei. Sie hätten oft gelesen und gehört, daß er in seinen Vorträgen und auch Gesprächen die manuelle Arbeit ebenso hoch gestellt habe wie die geistige Arbeit und so hätten sie beschlossen, seinen Namen auf die Ehrenliste ihrer Mitglieder zu setzen. Diese Ehrung quittierte dann Goldziher mit einem Vortrag über das Thema ,,Schön ist Gelehrsamkeit neben Arbeit** (im Sinne von Pirke Aboth II, 2), indem er ihnen eine Reihe großer Männer aus allen Konfessionen vorführte, die neben ihrer geistigen Wirksamkeit einen gewerblichen Beruf ausübten. Goldzihers Beliebtheit und Popularität in allen Kreisen ist bis zuletzt unvermindert geblieben, trotzdem in den letzten Jahren die Sturmwellen des Judenhasses in Ungarn durch die Tätigkeit der „Erwachenden Madjaren* ' wie in den trübsten und dunkelsten Zeiten des Mittelalters