Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 592 (sequence 18)
- Language
- German
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592 A. S. Y a. h u d a: Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek usw. hochzuschlagen begannen, Massenmorde unter den Juden öffentlich organisiert, angesehene ehrwürdige Greise auf den Straßen in brutalster Weise mißhandelt, verdienstvolle Männer in bestialischer Art verstümmelt und große Gelehrte auf den Lehranstalten, Hochschulen und Universitäten mit Hohn und Schimpf behandelt und mitunter verstoßen wurden. Obwohl es nun diesen durch ihre Tätigkeit verwilderten Rotten schwer gelang, auch an Goldziher mit ihrem ruchlosen Treiben heranzukommen, weil sie auf eine ganze Phalanx von tapferen Männern gestoßen sind, die ihnen geboten, bei ihm Halt zu machen, so wollte er es doch nicht dulden, als Ausnahme behandelt zu werden, legte (1920) sein langjähriges Amt als Klassenpräsident der Ungarischen Akademie nieder und beabsichtigte auch, von seinem Lehramt an der Universität zurückzutreten. Dieses Ereignis hat aber in allen Gelehrtenkreisen des Auslandes, selbst in den damals noch feindlich gesinnten Ländern der Alliierten, eine so ungeheure Entrüstung hervorgerufen, daß in Budapest alles in Bewegung gesetzt wurde, um Goldziher zu veranlassen, seine Demission rückgängig zu machen und seine Professur an der Universität nicht aufzugeben. Gerade die Horthy-Regierung zeigte sich am meisten beflissen, den Eindruck hervorzurufen, daß sie die Vorgänge mißbillige, die zu Goldzihers Rücktritt geführt hatten. Bald bot der 70. Geburtstag Goldzihers willkommene Gelegenheit, dem Gelehrten und&zugleich auch dem Auslande zu zeigen, wie sehr seine Verdienste und sein Ruf auch in seiner Heimat in Ehren gehalten wurden. So gestaltete sich sein siebenzigster Geburtstag unter ungewöhnlicher Beteiligung der Regierung, der Akademien und aller Universitätskreise zu einer öffentlichen, geradezu offiziellen Sympathiekundgebung für Goldziher, bei der er zum Gegenstand zahlreicher aufrichtiger Ehrungen wurde, wie es kaum ein anderer Gelehrter in Ungarn je erlebt hat. Die großen Patrioten unter den „Erwachenden Madjaren*' haben sich diese Demütigung gefallen lassen müssen und mußten ihre glühende Liebe für „vaterländische" Wühlarbeit und nationalistische Pogromhetzereien auch bei den außerordentlich imposanten Trauerkundgebungen unterdrücken, die anläßlich des kurz darauf erfolgten Ablebens Goldzihers stattgefunden haben und die für den heimgegangenen Gelehrten ebenso ehrenvoll waren, wie für die intellektuellen und fortschrittlichen Kreise Ungarns, die unentwegt, mutig und würdevoll ihre Pflicht gegen einen der besten, edelsten und bedeutendsten Männer ihres Landes erfüllt haben. Auch die Bürgerschaft seiner Geburtstadt Stuhlweißenburg legte ein Zeugnis ihrer Hochachtung und Würdigung für den großen Sohn ihrer Stadt ab, indem sie eine Gedenktafel am Hause seiner Geburt anbringen ließ, an der wiederum die Regierung, die Akademie und die Universität würdig vertreten waren.