Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 10
- Article
- Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 589 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3101111-3101201-3101211-3109735--7384-3109783- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek usw. 589 (1884); „Muhammedanische Studien" 2 tt. (1889 —1890), die seiner Zeit Epoche auf den Gebieten der islamischen Forschung und besonders der Prophetentraditionen (hadlth) gemacht haben und noch heute, trotz der neueren vielen und bedeutenden Arbeiten mehrerer namhafter Gelehrter, die z. T. in seinen Fußstapfen wandelten, das klassische Buch der muhammedanischen Studien geblieben sind; Abhandlungen zur arabischen Literatur" 2. tt. (1896 und 1899) un-d schließlich seine 2 letzten Werke ,,Vorlesungen über den Islam" (1910), und „Die Richtungen der islamischen Koranauslegungen" (1920), Werke, die an Bedeutung, Gelehrsamkeit, Gründlichkeit, Umsicht und außerordentlicher Fülle von Material alles übertreffen, was über diese Gegenstände bis jetzt geschrieben worden ist. Vom jüdischen Interesse sind die folgenden wohl die wichtigsten:,,Die Entwicklung der jüdischen Religion" (1888 ungarisch) ,,Die jüdischen Gebräuche nach der religiösen Literatur der Muhammedaner" und ,,M6langes jud£oarabes" in der R6vue des Stüdes juifs (1894 und 1901 ff.); die Edition des arabischen Textes von Pseudo-Bachyas Ma'änI-al-nafs, über die jüdische Moralphilösophie. In allen diesen Arbeiten war er bahnbrechend, indem er neue Probleme aufstellte, neue Methoden zu ihrer Lösung anwandte und überall Wege zu neuen Forschungen gewiesen hat. Das Imponierendste an seinen Arbeiten ist die außerordentliche Gelehrsamkeit, die fast unbegreifliche Belesenheit und die Großzügigkeit, mit der er alle Fragen behandelt; dabei verstand er es, durch lebendige Darstellungsweise, fließende Sprache und kunstvollen Aufbau der verschiedensten Materialien, unter weitgehendster Berücksichtigung aller kulturellen und religionshistorischen Gesichtspunkte, seine Arbeiten besonders lehrreich, interessant und anziehend zu gestalten. Eifrige Tätigkeit entfaltete er nebenbei auch in der ungarischen Akademie der Wissenschaften, die ihn 1876 zum korrespondierenden, 1892 zum ordentlichen Mitgliede, 1905 zum Präsidenten ihrer philologisch-belletristischen Klasse und 1911 zum beständigen Mitglied des Direktionsrates wählte. Seit 1883 war Goldziher der regelmäßige Vertreter der Universität und des ungarischen Kultusministeriums auf allen Orientalistenkongressen und, seit dem Bestehen der „Association Internationale des Academies", der permanente Delegierte der ungarischen Akademie; er beteiligte sich mit großem Eifer an allen Tagungen und Arbeiten dieser Institution. Nur für die Sitzung, die im Mai 1913 in Petersburg stattfand, lehnte er seine Beteiligung mit aller Entschiedenheit ab, weil er nicht den Boden einer Stadt betreten wollte, die während des zaristischen Regims seinen Glaubensgenossen verschlossen war und in der selbst den russischen Juden nur auf Grund besonderer Privilegien der Aufenthalt gestattet wurde. An diesem Standpunkt hielt er fest, trotzdem er als Mitglied der Petersburger Akademie ex officio das Aufenthaltsrecht im ganzen zaristischen Rußland besaß, und trotz den großen Bemühungen der damaligen russischen Regierung und der Petersburger Akademie, ihn zum Besuch Petersburgs zu bewegen.