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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 10 · p. 588

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 10
Article
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
Date
1924-01-01
Page
588 (sequence 14)
Language
German
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588 A. S. Yahuda: die ihm viele Sympathien zuwandten, Gelegenheit zu unmittelbarem Studium des Islams, besonders des islamischen Lebens, fand. In Kairo Erhielt er vom damaligen Mufti (Oberster religiöser Richter), Abbässi al-Mehdi, die Erlaubnis, den Vorlesungen in der Azhar-Moschee beizuwohnen, die von jeher und noch heute als die größte und bedeutendste theologische Hochschule in der islamischen Welt anerkannt ist und damals den Fremden vollkommen verschlossen war. Zu seinen besonderen Freunden und Förderern seiner Bestrebungen in Kairo gehörten der damalige Unterrichtsminister Riza Pascha (gest. 1912), sowie der nachmals zu großer Berühmtheit gelangte sehr gelehrte nationalistische Agitator Gemal al-Dln al-Afghäni. Während seines Aufenthaltes im Orient wurde die Professur, für die ihn sein hochherziger Gönner Josef von Eötvös (starb 2. Februar 1871) bestimmt hatte, hinter seinem Rücken anderweitig besetzt, was ihn zwang, bei Fortsetzung seiner Lehrtätigkeit an der Universität, einer Berufung als Sekretär der Budapester israelitischen Gemeinde zu folgen. In diesem schweren sorgenvollen Amte, bei dem er die gewöhnlichsten Schreibergeschäfte, sowie die schwierigsten Aufgaben der Unterrichtsadministration in angestrengter Arbeit zu erledigen hatte und in dem ihm die Agenden der Protokollführung, der Matrikelleitung und alle möglichen Angelegenheiten der Gemeinde den ganzen Tag über vollkommen in Anspruch nahmen, verblieb er bis 1905, also volle 30 Jahre! Aber inmitten der buntesten und trivialsten Angelegenheiten, die ihm auferlegt waren, wandte er sich mit Vorliebe dem Unterrichtswesen zu: er reorganisierte auf dem weiten Gebiete, das die Pester israelitische Gemeinde umfaßte, das Lehrwesen der hebräischen Sprache und des jüdischen Religionsunterrichts in den Gemeindeschulen, in den Gymnasien und Realschulen; er leitete die Konferenzen der Lehrkörper, gab den Lehrern Richtung und Ziele "und hielt ihnen ganze Vorlesungen über das jüdische Lehrwesen, sowie über seine historische und aktuelle Bedeutung. Auf seinem schweren Lebenswege fand er Stärkung und Aufmunterung in seinem Eheglücke mit Laura Mittler, der Tochter des seiner Zeit im ganzen Komitat Arad sehr geschätzten und gesuchten Arztes Dr. Maximilian Mittler. Da er fest entschlossen war, seine Heimat nicht zu verlassen, verblieb er lange Jahre als unbesoldeter Dozent an der Budapester Universität und leistete den verlockendsten Berufungen an ausländische Universitäten wie z. B. Prag (1874), Heidelberg (1894), Cambridge (1898), dann nach Leipzig, Königsberg, Straßburg und Upsala, standhaft Widerstand. Während dieser drei entsagungsvollen Jahrzehnte istand er in regem brieflichen Ideenaustausch mit den Führern der orientalistischen und islamischen Wissenschaften und brachte meistens in nächtlicher Mußezeit seine bedeutendsten wissenschaftlichen Arbeiten hervor. Von den vielen Dutzenden größerer Abhandlungen und Werken, die er im Laufe jener Zeit und auch noch nachher veröffentlicht hat, seien nur die folgenden bedeutendsten Arbeiten erwähnt: ,,Bei träge zur Geschichte der Sprachgelehrsamkeit bei den Arabern*' 3. tt. (1871—1873); „Die Zähiriten"

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