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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 10 · p. 582

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 10
Article
Die Bedeutung der Goldziherschen Bibliothek für die zukünftige hebräische Universität
Date
1924-01-01
Page
582 (sequence 8)
Language
German
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A. S.Yahuda: an ihn um Auskunft wandten. Die Antworten, die er ihnen in arabischer Sprache und im Stile eines altmodischen Faqih (muhammedanischer Theologe) schrieb, erregten stets ihr Erstaunen und ihre Bewunderung. Nicht selten erhielt er auch den Besuch von solchen Gelehrten, die eine Reise nach Europa unternahmen, obwohl Budapest hunderte von Meilen abseits von ihrer Route lag. Es hatte stets etwas Rührendes für mich, zu sehen, mit welcher Anhänglichkeit und Verehrung seine muhammedanischen Freunde in Damaskus und Kairo von ihm sprachen. Dies kam besonders zum Ausdruck in den Sitzungen und Unterhaltungsabenden im Hause des bekannten Gelehrten und früheren Staatssekretärs für Volksbildung in Kairo, Ahmed Zeki Pascha, der auch eine der schönsten und reichhaltigsten arabischen Handschriftensammlungen besitzt. An jenen ,,Unterhaitungen" (Mudhakarath) beteiligten sich gelehrte Theolögen und angesehene arabische Literaten, und, obwohl sie gesellschaftlicher Natur waren, so hatten sie doch einen akademischen Charakter, weil man sich nur über wissenschaftliche Dinge unterhielt. Dabei wurde meistens das Manuskript eines alten berühmten Autors studiert und mit andern Handschriften verglichen, um es für den Druck vorzubereiten. Es herrschte ein sehr freundlicher, leichtgehaltener und von gegenseitigen Sympathien durchdrungener Ton, der noch durch echten gezuckerten Mokka-Kaffee und allerlei Leckerbissen versüßt wurde. An einem jener Abende geschah es nun, daß man an einer schwierigen Stelle im Manuskript geriet, über die man trotz allerhand Interpretationsversuchen nicht hinwegkommen konnte. Nach langen fruchtlosen Diskussionen einigte man sich dahin, daß die Frage Goldziher vorgelegt werden solle. Ich wurde mit diesem ehrenvollen Auftrag betraut und schickte mich sofort an, den Brief an Goldziher, der natürlich in arabischer Sprache gehalten sein mußte, abzufassen. Leider war meine Freude, der Dolmetsch einer so gelehrten und distinguierten Versammlung beim Budapester Scheikh zu sein, nur von allzu kurzer Dauer. Denn ein dort anwesender, sehr bekannter Grammatiker und Kenner der Adab-Literatur (Beiles Lettres), der, nebenbei bemerkt, total erblindet war, fuhr ganz plötzlich auf, und schlug eine Konjektur im Manuskript vor, die dermaßen die Bewunderung der Anwesenden erregte, daß sie alle uni sono seinen Einfall unbedingt als i 1 h a m i 1 a h i , als göttliche Inspiration bezeichneten und die Schwierigkeit für gelöst erklärten. Als ich mich dann verabschieden wollte, weil es der letzte Abend meines dortigen Aufenthaltes war, bekam ich einen andern, nicht minder reizenden Auftrag, der eine neue Probe für di§ Achtung und Herzlichkeit war, die man für Goldziher hegte. Einer der angesehensten Männer jenes Kreises war der beste Kenner der muhammedanischen Traditionsliteratur (h a d i t h) und vielleicht der größte arabische Bibliograph unserer Zeit, nämlich der vor einigen Jahren verstorbene Scheikh Tahir El-Djazairi. Er war ein sympathischer und frommer Asket und gehörte zu den Mitgliedern der von den Franzosen seiner Zeit verbannten fürstlichen Familie des Abd El-Kadir aus

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