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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 552

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Die Stellung der Palästinenserin zur Gemeinschaft
Date
1924-01-01
Page
552 (sequence 4)
Language
German
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552 Umschau: Frauen fragen man den Begriff „Frau" als einen besonderen, in seiner Besonderheit zu stärkenden Teil der Menschheit aus seinem Wortschatz, so ist kein Anlaß vorhanden, sich auf der Grundlage des gemeinsamen Geschlechtes mit anderen zu vereinigen. Nur müßte man dann wohl konsequent sein und sich , auch von allen durch bürgerliche Frauen für spezielle Frauenzwecke geschaffenen Institutionen fernhalten. Tut man das nicht, ja, heischen Arbeiter und Arbeiterinnen von den bürgerlichen Frauengruppen eine Ausdehnung ihrer öffentlichen Frauenarbeit, so ist es unberechtigt, sich gänzlich auf den Klassenstandpunkt zurück* zuziehen und in dem Kampfe um Frauenrechte, Frauenberufe, Frauenbildung sich allen Pflichten gegen die Geschlechtsgenossinnen zu entziehen. Da das aber geschieht, so muß vom Standpunkt der Frauenarbeit aus gesagt werden, daß unsere Arbeiterinnen, die durch ihre geistigen und seelischen Eigenschaften besonders wertvoll für die Lösung der bedrohlich ernsten palästinensischen Frauenfrage sein könnten, ihre Aufgabe vernachlässigen. Zwischen diesen beiden äußersten Flügeln steht ein Frauenelement, das viel Ähnlichkeit mit den fortschrittlichen Frauenkreisen des Auslandes hat. Es sind das die gebildeten Frauen der bürgerlichen Kreise. Dieses Element war noch vor wenigen Jahren sehr schwach; es beschränkte sich auf einige Absolventinnen der palästinensischen Schulen, einige national gesinnte Kindergärtnerinnen, Lehrerinnen, Ärztinnen usw. — im ganzen auf eine Handvoll Frauen. Unterdessen ist gerade zu diesem Kreise ein starker neuer Zustrom von auswärts gekommen, dessen Einfluß es zum Teil zu danken ist, daß sich auch im Lande selbst ein ganz neuer Geist unter den Frauen gebildet hat. Einige Frauen taten sich zusammen, um an dieser oder jener besonders schwachen und wunden Stelle des Gemeinschaftslebens Hilfe zu leisten. Diese Hilfe trug anfangs einen im wesentlichen philanthropischen Charakter: Waisenpflege, Krankendienst, Wöchnerinnenfürsorge, Einführung von Hausindustrien wurde von Frauengruppen übernommen. Diese Arbeit trug keineswegs mehr durchweg das Gepräge der „Mizwoth", aber eine wirklich systematische, auf klaren sozialen Prinzipien beruhende Arbeit war auch sie nicht. Eine solche hat erst in den allerletzten Jahren eingesetzt, und zwar unter dem Einfluß und in Verbindung mit der Hadassah- Arbeit. So wie in Europa in kleinem Maßstabe der „Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina", so hatte sich kurz vor dem Kriege in Amerika eine Schar zionistischer Frauen zusammengetan und ein spezielles Arbeitsgebiet in Palästina — die Krankenpflege — übernommen. Diese Arbeit blieb jahrelang eine von außen kommende und daher für die innere Erziehung der palästinensischen Frauen ziemlich belanglose Wohlfahrtsarbeit. Erst als eine ganze Anzahl tätiger, in sozialer Arbeit bewanderter Frauen — Ärztinnen, Krankenschwestern, Verwaltungsbeamtinnen usw. — nach Palästina kamen, begann hier stellenweise die Wohlfahrtsarbeit in wirkliche soziale Gemeinschaftsarbeit überzugehen. Um die Frauen des Auslandes scharten sich palästinensische Frauen, deren Kräfte bis dahin brachgelegen hatten. Besonders als die Leiterin der „Hadassah", Miß Szold, selbst in Palästina zu arbeiten begann, bildete sich der Kern einer wirklichen Frauenbewegung und sozialen Frauenarbeit aus. Auch die Leiterinnen der „Weltorganisation zionistischer Frauen" kamen mit der Absicht ins Land, sich mit palästinensischen Frauen zu einem Arbeitsbund zu vereinen — wenn auch dieses Bestreben zeitweilig ins Stocken geriet. Teilweise unter dem Einfluß der amerikanischen und anderer Frauen des Auslandes, teilweise auch aus einem in den intellektuellen Jugendkreisen des Landes selbst latenten Willen heraus begann in den letzten Jahren eine rege soziale Frauentätigkeit in Palästina. Sie setzte auf den verschiedensten Gebieten ein: Säuglingspflege, Mutterschutz, Fürsorge für verlassene Kinder, Schülerspeisungen, industrielle (Schneiderei) und Wirtschaftsausbildung, Gartenbau, hebräische Volksbildung. Auch Volksheimarbeit in den verschiedenen, so sehr verschiedenen, Stadtvierteln, Arbeitsnachweis, Einführung neuer Industrie- und Erwerbszweige für Frauen ist heute von Frauen verbänden in Aussicht genommen. Daneben bildeten sich Berufsverbände: Lehrerinnen-, Krankenschwestern-, Kindergärtnerinnen-Vei bände* Eine Vereinigung zur Erkämpfung der Gleichberechtigung der Frau vor dem Gesetz und in der Gesellschaft bildete sich. Durch diese kooperative Arbeit wurde eine ganze Anzahl von Kräften wirksam gemacht, die bisher nicht zur Entfaltung gelangt waren. Die vom Auslande her an soziale Arbeit gewöhnten Frauen spornten junge und so-

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