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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 553

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Die Stellung der Palästinenserin zur Gemeinschaft
Date
1924-01-01
Page
553 (sequence 5)
Language
German
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Umschau: Geschichte 553 gar ältere Frauen des Landes zu werktätiger Hilfe an. Heute sind einige der palästinensischen Frauenverbände auf dem Wege, für die Entwicklung der Gesellschaft dieselbe Bedeutung zu gewinnen, wie sie die großen amerikanischen Frauenorganisationen, in deren Händen stellenweise der wichtigste Teil der öffentlichen Verwaltungs- und Kulturarbeit liegt, für Amerika haben. Daneben arbeiten die großen zionistischen Frauenverbände des Auslandes weiter mit am Sanitätswesen, an der Waisenpflege, an der landwirtschaftlichen und hauswirtschaftlichen Ausbildung von Frauen. Und in immer höherem Maße gelingt es ihnen, Frauen des Landes als beratende und leitende Kräfte heranzuziehen. Noch sind viele wichtige Frauenaufgaben unerfüllt: die Mitwirkung der Frauen bei der öffentlichen Jugenderziehung fehlt z. B. noch vollständig. Auf manche Gebiete der Landesgesetzgebung und -Verwaltung aber haben bereits interkonfessionelle Frauenorganisationen (bei denen Jüdinnen eine große Rolle spielen) Einfluß gewonnen, so z. B. in bezug auf Bekämpfung von Prostitution, Alkoholmißbrauch, Schundfilms, auf die Behandlung weiblicher Gefangener usw. Die Zahl der in dieser Arbeit stehenden Frauen, die ihr ein ungewöhnlich hohes Maß von Kraft, Energie und Zeit widmen, wächst von außen und von innen täglich. In den Sitzungen eines großen lokalen Frauenvereines finden sich allwöchentlich neben den erfahrenen, intellektuellen sozialen Arbeiterinnen, die ursprünglich ihren Kern bildeten, Töchter aus eingesessenen aschkenasischen und sephardischen Familien:und zum Teil sogar deren Mütter mit Scheitel und Kopftuch zur Beratung zusammen. Diese Frauenorganisationen, in denen es eine ganze Fülle origineller Individualitäten gibt, könnten eine ungeahnte Stoßkraft gewinnen, wenn sie nicht durch passiven und teilweise sogar aktiven Widerstand von rechts und links her stark behindert würden. Rechts stehen die anfangs gekennzeichneten palästinensischen Kreise im Wege, die in jeder modernen sozialen Arbeit eine Auflehnung gegen dieJTradition der „Mizwoth" und gegen das jüdische Gesetz und die angeblich aus ihm resultierende inferiore Stellung der Frau sehen. Links stehen die Arbeiterinnen mit ihrer Negierung besonderer Frauenaufgaben und einer besonderen weiblichen Eigenart überhaupt und wittern' in allen sozialen Bestrebungen von Frauen und besonders nichtproletarischen Frauen eine bürgerliche Reaktion. Und so wird manche Bestrebung der tatkräftigen Mittelschicht zunichte, weil ein Teil der palästinensischen Frauenwelt sich noch nicht bis zur Frauenbewegung durchgerungen und ein anderer Teil die Frauenbewegung bereits überwunden hat — oder doch überwunden zu haben glaubt. Die in der Mitte aber stehen mit ausgestreckten Armen und warten darauf, die von rechts und die von links an sich zu ziehen und mit ihnen auf der Grundlage ihres gemeinsamen Weibtums an der neuen Gemeinschaft mitzubauen. Helene Hanna Cohn (Jerusalem) GESCHICHTE Uriel da Costa Der Urtyp des jüdischen Ketzers ist Acher (Elisa ben Abuja). Er glaubte nicht — so erzählt der Thalmud —, daß langes Leben in „jener" Welt verheißen ist. Er ging seinen Weg — und seitdem finden wir Acher als Ausgestoßenen, einsam und konsequent, immer wieder im Judentum. Auf die Parallele zwischen Elisa und Uriel Da Costa hat bereits Gutzkow hingewiesen. Uriel Da Costa wurde zum Leugner am göttlichen Gebot, aber er hat keinen Meir gehabt, der ihn vor Steinwürfen schützte. Da Costa ist der einsame Ketzer, der ohne verstehenden Freund und ohne Anhänger sein Leben lebte und eine Lehre aufstellte, die wohl leichter als eine Häresie widerlegt werden kann. Uriel DaCosta entstammt einem Marrannengeschlecht. Wer ihn kennen will, muß sich erst mit dem Problem der Marrannen vertraut machen, auf das Gebhardt in seinem Da Costa-Buche1) besonders hinweist. Gegen Ende des 15. Jahrhunderts gelang es dem Vordringen des inquisitorisch verhetzten Katholizismus, die blühende maurisch-jüdische Kultur auf der Pyrenäenhalbinsel niederzuwerfen. Als 1492 Granada fiel und Kolumbus seine drei Boote erhielt, um 2) Carl Gebhardt, Uriel Da Costa, Societas Spinozana 1923, bei Weiß in Heidelberg. Die Zitate stammen sämtlich aus diesem Buch, das neben einer ausführlichen Einleitung des Herausgebers die Hauptschriften Da Costas im. lateinischen oder hebräischen Urtext und in deutscher Übersetzung enthält.

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