Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Zur Frage der zionistischen Propaganda
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 547 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Bemerkungen: Zur Frage der zionistischen Propaganda 547 besteht. Eine Erweckung des Herzens unserer Jugend für alles Schöne und Große in unserer Kultur wird auch ihren Sinn für das Echte in anderen Kulturen schärfen, und umgekehrt. Nur wenn der Jude den Platz des Judentums unter den Völkern und Strömungen der Welt kennt, wird er sich angesichts der Welt behaupten können. Die Propagandisten, die die Zentrale aussendet, müssen diesen Anforderungen genügen, mehr noch, sie müssen Menschen sein, die in die geistigen Bedürfnisse anderer eindringen können und die selber in ihrem Judentum nicht eingeschlossen, sondern allem Menschlichen offen sind. Von der zentralen Stelle müßte auch eine schriftliche Unterstützung der lebendigen Einwirkung zur Seite stehen. Entsprechende Zusammenstellungen von Vortragsreihen mit erschöpfender Angabe des Inhalts und der Grundlinien der einzelnen Vorträge und der dazu gehörigen Literatur lud die Ausgabe eigener Literatur wären Aufgaben, die die finanzielle Aufwendung wohl bald durch Gewinnung neuer Menschen lohnen würden. Es gilt vor allem auch, die in einzelnen Sprachgebieten bereits gewonnenen Erkenntnisse und Fortschritte durch Übersetzungen und Bearbeitungen auch den Juden anderer Sprachkreise zugänglich zumachen. Was die Frage der Durchführung anbelangt, so müßten neben die Tätigkeit der Zentrale durch Entsendung von Propagandisten und Literatur, eine Zusammenfassung und Befruchtung der lokalen Tätigkeit aus eigenen Mitteln treten. Dies wäre vielleicht am leichtesten erreichbar durch die Schaffung von regelmäßig zusammentretenden Konferenzen. Delegierte der verschiedenen zionistischen Vereine eines kleineren Landes oder eines Bezirkes sollten sich ein- bis zweimal im Jahre versammeln. Auf diesen Versammlungen würde nicht nur ein engerer Kontakt zwischen den Delegierten und dadurch auch ihren Vereinen hergestellt werden, und dies nicht in der hitzigen Atmosphäre der Diskussion auf Beschlüsse fassenden Tagungen, sondern in der befruchtenden gegenseitigen Aussprache - und vor allem im Lernen. Auf diesen Konferenzen müßten Delegierte größeier Nachbarländer oder übergeordneter Einheiten anwesend sein, die diese Vorträge und Kurse teils über aktuelle, teils aber» was vielleicht noch wichtiger ist, über unaktuelle, weil nämlich die Grundlage bildende Fragen abhalten sollten. Da diese Vorträge acht oder vierzehn Tage dauern sollen, wäre die geeignetste Zeit für diese Konferenz der Sommer. Die hier gewonnenen Anregungen würden es dann den einzelnen Ortsgruppen während des Winters ermöglichen, ein volleres Leben zu führen. Neben dieser rein ideellen Propaganda müßten aber diese Sommerschulen auch rein administrativtechnische Kurse umfassen, wo die nicht leichte Kunst gelehrt werden soll, eine Ortsgruppe richtig zu leiten und zu verwalten, wo die Technik der Sammlungen für die verschiedenen Fonds, die Technik von Veranstaltungen und ähnliches besprochen werden. Auch die Ausbildung der Kunst, eine Debatte zu führen, sollte nicht vernachlässigt werden. Der Besucher einer solchen Konferenz würde nicht nur eine Reihe von Tagen geistig angespannter Arbeit verbringen, sondern auch aus dieser Atmosphäre ein Gefühl bereicherten Lebens und innerer Zusammengehörigkeit mitnehmen, das er seinen Freunden, die nicht dabei sein konnten, übermitteln soll. Über diese Bezirkskonferenzen müßten dann Schulen für größere territoriale Komplexe und eine zentrale Sommerschule treten. Daneben wäre es natürlich notwendig, daß die Propagandisten der zentralen Stellen wie auch die anderen von Zeit zu Zeit Palästina besuchen, was ja heute schon in immer steigendem Maße der Fall ist und wahrscheinlich, auch ohne äußere Anregung, immer stärker der Fall sein wird. Die hier vorgeschlagenen Konferenzen aber sollten nicht in der durch die Fülle der Eindrücke zerstreuenden Atmosphäre Palästinas stattfinden, sondern eher in einem abgelegenem Orte. Die Erfahrungen der größeren Konferenzen könnten dann für die Konferenzen kleinerer Kreise 35*