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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 548

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Zur Frage der zionistischen Propaganda
Date
1924-01-01
Page
548 (sequence 5)
Language
German
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548 Bemerkungen: Zur Frage der zionistischen Propaganda verwendet und von Fall zu Fall ihre Ergebnisse auch in literarischer Form dem weiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Zugleich würden in solchen zentralen Konferenzen auch Fragen mehr politischzeitlicher Natur in einer Atmosphäre behandelt werden können, in die nicht Probleme und Befangenheiten persönlichster Art hineinspielen. Soll die zionistische Bewegung wiederum lebhafter bewegt werden, so wäre auch die Schaffung einer größeren Zeitschrift notwendig, wo die verschiedenen Probleme aufgezeigt und erörtert werden. Es ist heute der Zustand eingetreten, daß die Bewegung zu groß geworden ist, als daß Ansichten, die irgendwo schriftlich vertreten werden, eine Wirkung auf die Wirklichkeit ausüben, und sie ist andererseits noch nicht groß genug, als daß begründete Ansichten den Gang der Ereignisse nicht beeinflussen könnten. Eine zentrale Zeitschrift, die überall gelesen würde, könnte in dieser Beziehung erzieherisch einwirken und vor allem das gegenseitige Verständnis Und die gegenseitige Beeinflussung zwischen den verschiedenen Teilen unserer Bewegung ermöglichen, die nicht nur räumlich so weit voneinander getrennt sind, sondern auch den verschiedenartigsten Einflüssen ihrer Umgebungen erliegen. Dieses Zentralorgan dürfte kein wöchentliches Nachrichtenblatt sein, wie es ja schon im „Haolam" «xistiert, sondern eine monatliche, vielleicht sogar nur zweimonatliche Zeitschrift, ähnlich wie sie für den deutschen Sprachkreis „Der Jude" bietet. Eine Schwierigkeit ergibt sich natürlich in der Sprachenfrage, und hier gibt es wohl vorläufig nur die Lösung, daß die Zeitschrift die Einsendungen in deutscher, englischer und französischer Sprache aufnimmt und veröffentlicht. Sie könnten dann in verschiedenen Zeitschriften, die ja schon bestehen, in den Sprachen der einzelnen Gebiete nachgedruckt werden, etwa so, daß ein wichtiger Artikel, der der Zeitschrift in Englisch zugesandt wird, gleichzeitig deutsch im ,,Judenu erscheint, und ähnlich so in * den anderen Fällen. Nur auf diese Weise kann es geschehen, daß Ansichten oder Ideen, die in einzelnen Ländern auftauchen, nicht nur in dem zugehörigen kleinen Zirkel diskutiert, sondern der Allgemeinheit mitgeteilt werden- Zugleich würde das Interesse der Zionisten des einen Landes an den Bewegungen im anderen Lande geweckt werden. Es würde ein enges Band zwischen Gruppen hergestellt, die heute nicht einmal voneinander wissen. Dadurch entstände statt der bei uns heute vorhandenen Verkapselung ein lebhafter Austausch. Das Interesse der Leser stiege. Sie bekämen auch bei Erscheinungen, die ihnen zuerst fremd vorkommen, die Empfindung, daß es sich auch da um ihre eigene Sache handle. Eine bedeutende Erweiterung des Gesichtskreises träte ein. Kleine Gruppen, die kein eigenes Organ besitzen und keines schaffen können, hätten eine Gelegenheit, zu der ganzen Öffentlichkeit zu sprechen. Die bloße Möglichkeit, seine Ideen nicht nur als Literatur des kleinsten Kreises zu sehen, sondern so hinauszuwirken, daß sie den Gang der Ereignisse beeinflussen, weckte Ideen. Ein neues Leben könnte beginnen. Eine solche neue lebendige Wirklichkeit jüdischen Lebens in der Diaspora würde auch auf Palästina befruchtend einwirken. Nicht nur in dem Sinne, daß neue treue Arbeiter für Palästina gefunden werden. In dem harten Daseinskampfe in Palästina, in der Mischung so vieler verschiedener Kulturen und Einflüsse, die die Einwanderer mit sich bringen, in der vollkommenen Traditionslosigkeit jeder neuen Kolonisation liegen die Gründe dafür, daß noch für Jahrzehnte die geistige Kraft des Judentums (nicht nur die wirtschaftliche) auf der Diaspora beruhen wird und nicht auf Palästina. Es gilt daher um des künftigen Palästina willen, nicht nur eine im Wirtschaftlichen, sondern auch im Geistigen starke Diaspora hinter sich zu haben. Diese zu schaffen, ist die Aufgabe der zionistischen Propaganda. Hans K o h n

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