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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 543

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Das Tagebuch eines Antizionisten [Rezension]
Date
1924-01-01
Page
543 (sequence 2)
Language
German
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Bemerkungen: Das Tagebuch eines Antizionisten 543 zu all den Ideen, denen der Gedanke eines Völkerbundes, das Hauptresultat des Krieges, widerspricht. „Ihr wollt Eure Stammeszugehörigkeit wahren — dann legt die geistige Führung nieder, die beiden sind unverträglich; wollt Ihr führen, so müßt Ihr untertauchen." A. nennt es eine Arroganz, wenn ein englischer zionistischer Schriftsteller schreibt, daß in Palästina durch die „rein jüdische Gesellschaft" — man beachte, wie A. oben von der rein jüdischen Gesellschaft im Zusammenhang mit dem schmutzigen Markt von Jerusalem spricht — das Judentum und die Juden in ihrer vollendetsten Form dargestellt sein werden. Möchten die zionistischen Propagatoren draußen dies hören. Wer berechtigt sie, auf die paar Tausende palästinensischer Juden eine solche Verantwortung zu wälzen? Ein Volk von Millionen stellt einen Wechsel auf ein Häuflein aus, das gerade jetzt in Palästina lebt, unter Lebensbedingungen, die vor allem durch die Abhängigkeit von fremdem Geld und die dadurch bedingte Gefahr der Korruption von vornherein einen hemmenden Faktor von nicht zu unterschätzender Bedeutung darstellen. Wir können politische Formeln und Ziele aufstellen, aber wir sollen keine Versprechungen auf eine hohe Kultur oder eine hohe Moral Palästinas ausstellen. A. gibt ein Gespräch wieder, das er über die jüdische Universität in Jerusalem hatte. Wird man — war die Frage — Repräsentanten der Menschheit, etwa große christliche Forscher, in Jerusalem lesen lassen oder wird man vor allem den hebräischen Charakter der Universität verteidigen auf Kosten ihrer Qualität? Die Universität in Jerusalem sei das Schiboleth für jüdische Exklusivität oder Universalität. Wird sie eine Universität oder bloß eine zionistische Universität sein? Geddes (der Nichtjude, der den Plan der Universität im Auftrage Weizmanns entwarf) hat dem Judentum den Fehdehandschuh hingeworfen. Er hat den theokratischen Staat und den alten Teufel der Absonderung herausgefordert. Wird die Herausforderung angenommen werden? A. sieht nicht, wie der Kampf zwischen Universalität und engem Nationalismus im Zionismus, im jüdischen Palästina weitergeht Er sieht nicht, wie der Kampf, ums Hebräische von zwei einander sehr fernen Quellen gespeist wird: von der Sehnsucht nach Kultur, menschlicher breiter Kultur einerseits, und von dem Geiste des Nationalismus andererseits. Und wenn zwei dasselbe tun, so ist es nicht dasselbe. A. glaubt, daß das Palästina von heute mit seinen drei Sprachen nur Kellnerkultur schaffen kann. Wenn er die Reste des großen Theaters in Aman sieht, wo 4000 Zuschauer Platz hatten, erwägt er, daß ohne gemeinsame Sprache solche Werke der Architektur nicht hätten geschaffen werden können. Sollen wir ihn oder uns an die Schweiz erinnern? Noch sind wir in Palästina weit vom Geiste der Schweiz entfernt. Wir Juden, die wir die Kulturträger Palästinas sein sollten und uns dadurch ein moralisches Recht nicht auf Herrschaft, aber auf Siedlung in diesem Lande erwerben wollen, wir sind weit davon entfernt, die Sprache der Araber zu lernen. Unsere Schulen unterrichten leider das praktische gesprochene Englisch (Kellnerkultur!). A. denkt an unsere spanische Zeit. „Der Jude hat die arabische Sprache anzunehmen, wenn er in Palästina wirksam werden will. Arabisch ist eine der lebendigen Sprachen des Planeten, lebendiger als Griechisch oder Hebräisch. Es trägt lebendige Kultur in sich." Ä. sieht die ungeheuren Fortschritte, welche die arabische Bewegung täglich macht. Er weiß, daß England im Kriege in Palästina geflissentlich den Nationalismus gepredigt hat, den es in Ägypten und Irland verfolgte; daß in Palästina eine agrarische Revolution vor sich geht, daß die alte feudale Ordnung vielleicht mit Hilfe der Juden einem gesünderen Agrarsystem weichen wird. Er preist die Weisheit Herbert Samuels, der einen Parteijünger der Araber, Ernst Richmond, zu seinem politischen Sekretär machte. Die Zionisten sind blind. Sie sahen nicht, daß gerade ein solcher Mann den Arabern Vertrauen zu einer Administration einflößt, die sonst in

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