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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 544

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Das Tagebuch eines Antizionisten [Rezension]
Date
1924-01-01
Page
544 (sequence 3)
Language
German
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544 Bemerkungen: Zur Frage der zionistischen Propaganda ihren Augen ganz zionistisch wäre. Die Tatsache, daß hier ein Engländer sitzt, der, furchtlos und von ausgesprochener Ehrlichkeit, arabischen Interessen ergeben ist, die Tatsache, daß ein solcher Mann in die Macht eingesetzt wurde, ist für sie ein Zeichen der unparteiischen Gerechtigkeit des britischen Kommissars. ,, Wäre nicht Ernst Richmondda, so wäre den Juden— seid darüber nicht im Irrtum— längst der Hals abgeschnitten worden. Die Juden sehen das alles nicht. Sie stützen sich auf die Balfour-Deklaration, auf jene Formel, welche Balfour selbst, wenn er einmal ins Himmelreich kommt, jeder der drei Personen der Dreieinigkeit in anderer Weise auslegen wird. „Die Politik der Balfour-Deklaration ist eine ungerechte Politik, und Zionismus, wie er in Palästina verstanden und manchmal praktiziert wird, ist auf eine fundamentale Ungerechtigkeit basiert und deswegen sowohl für die Zivilisation als auch für die Judenheit gefährlich." „Die Juden bauen ihre Politik auf englische Bajonette, ihr Nationalismus ist ein Parasit Englands." „Es wird ein sonderbarer Tag sein, wenn einmal England es aufgeben wird, zu hohem Preise in Geld und Achtung sich von dem jüdischen Nationalismus ausbeuten zu lassen. Der Tag wird kommen, und dann wird der Nationaljude lernen müssen, gleich anderen Nationalisten auf seinen eigenen Füßen zu stehen. Eine nationale Kampagne durch Parasitismus zu führen, ist unmöglich. Juden müssen entweder allein stehen oder ihren Nationalismus aufgeben. Die Araber lernen ebenfalls dieselbe Lektion, sich bloß auf sich selbst zu stützen. Aber sie lernen sie schneller als die jüdischen Nationalisten." Wer kleine Details, Hintertreppenerzählungen aus dem offiziellen Leben Palästinas liebt, wird in diesem Buch reichlich auf seine Kosten kommen. Es ist nicht gerade von Diskretion belastet. Aber diese Seite wollen wir anderen überlassen. Für uns ist das Buch wichtig, weil es uns, wenn auch in unangenehmster Form, einige Dinge sagt, die wir nicht gerne hören wollen. Und die wir doch hören müssen. Hugo Bergmann, Jerusalem Zur Frage der zionistischen Propaganda In der letzten Zeit hört man immer häufiger Klagen darüber, daß die Zionistische Organisation sowohl von ihren zentralen Behörden aus wie auch in den einzelnen Ländern und Ortsgruppen zu einer großen geldsammelnden Institution geworden sei, daß in ihr das geistige Leben, das solche Geldsammlungen tragen könnte, immer schwächerwerde und daß eine steigende Müdigkeit in den Reihen der Zionisten Platz greife. Zugleich hat sich in der ganzen Propaganda eine neue Einstellung ergeben. Bis zum Kriege hat man in unserer Propaganda kaum Nachdruck gelegt auf die propagandistische Anziehung, die das neue jüdische Leben in Palästina ausübt. Seit dem Kriege ist durch die Romantik der Chaluziuth, durch die Reihe neuer Siedlungen und neuer Städte, durch die Erschließung neuer Wirtschaftsgebiete ein neuer Zug in die Propaganda gekommen; der mächtige Appell, den dieses neue Palästina ausübt, hat neue Kreise für den Zionismus zu gewinnen verstanden, und die großen Geldsammlungen der letzten Jahre waren nur dadurch möglich, daß sie von diesem Appell getragen waren. Jeder Propagandist konnte sich selbst überzeugen, daß nichts so sehr wirkt wie eine lebendige Schilderung dessen, was in Palästina tatsächlich da ist. Wirklichkeiten haben eine überzeugende Kraft, und in Palästina sind Wirklichkeiten geschaffen worden, die durch das überraschend Neuartige dieser ganzen Entwicklung an das Herz jedes Juden rühren, insbesondere, wenn sie nur als Tatsachen dargestellt werden, nicht als Ausflüsse irgend einer der verschiedenen Ideologien, die in ihnen zur Verwirklichung streben. Was aber in dieser Tatsächlichkeit wirkt, sind nicht nur die neuen wirtschaftlichen Leistungen, die ja in der Schaffung eines jüdischen Landarbeiterstandes zugleich eine seelische Umformung in sich schließen mußten, sondern, was noch mehr wirkt, ist die beginnende Wirklichkeit

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