Der Jude
- Journal
- Der Jude
- Volume
- 8 (1924)
- Issue
- Heft 9
- Article
- Das Tagebuch eines Antizionisten [Rezension]
- Date
- 1924-01-01
- Page
- 542 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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BEMERKUNGEN Das Tagebuch eines Antizionisten Im Jahre 1918 berief die militärische Administration von Palästina Mr. C. R. Ashbee, der damals für die ägyptische Regierung arbeitete, nach Palästina als Referenten für künstlerische Angelegenheiten und gab ihm insbesondere den Auftrag, den Plan für die Rekonstruktion Jerusalems zu entwerfen. Nach Ersetzung der militärischen Administration durch die bürgerliche wurde Mr. Ashbee in derselben Stellung übernommen, so daß er durch viereinhalb Jahre der offiziellen Welt Palästinas angehörte und in Beziehungen zu all den führenden Politikern, von Lord Allenby bis Herbert Samuel, trat, welche, wie er sagt, ,,die phantastische Geschichte des britischen Abenteuers in Palästina" leiten. Er hat nunmehr seine Erinnerungen in Tagebuchform veröffentlicht.1) Das Buch ist für uns wichtig, und ich möchte es nicht deswegen verwerfen, weil ein paar unerträglich häßliche und geschmacklose antisemitische Geschichtendrinstehen. (Gleich am Anfang, Seite 6, die Geschichte von dem Juden bei der Klagemauer, der auf Kommando weint, oder Seite 206 ein blödes Hepp-hepp- Gedicht, das dem geschmacklosesten Antisemitenvorortblatt noch zu gemein wäre.) Das Buch ist für uns wichtig, weil wir viel daraus lernen können. Wir lernen, wie man uns beobachtet, ich möchte fast sagen, wie man uns belauert. Jedes Wort, das unbesonnen ausgesprochen wird, wird eifrig vermerkt und in die Welt hinausgetragen. Wenn eine amerikanische Jüdin, Mrs. Fels, im Gespräch die Araberfrage so löst, daß sie die Araber nach Arabien schickt, wenn Architekt Kauffmann in dem Plan der Jerusalemer Vorstadt Talpioth ein großes Gebäude einzeichnet und es „unser Parlamentsgebäude" nennt — was A. in „Parlament für Palästina" verdreht — alles wird sorgfältig verzeichnet als Dokument zionistischen Extremismus. Die jüdix) A. Palestine Notebook 1918—1923, London, Heinemann, 1923, 278 Seiten. sehen Architekten verstehen kein Hebräisch und ersuchen um die englische Ausgabe der Stadtbau-Instruktion — es wird verzeichnet und hinzugefügt: „hebräisch, ja: für das Studium der Bibel und für politische Propaganda, für praktische Lebenszwecke: nein". Man sagt: politische Formeln helfen uns wenig. Ob Hebräisch als Staatssprache anerkannt wird oder nicht, ist auf die Dauer von viel geringerer Bedeutung als die Tatsache, daß unsere nach außen repräsentativen Menschen, diejenigen, mit denen der englische Beamte in Berührung kommt, kein Hebräisch können, Palästina wird nicht von obenher mit Politik gemacht, sondernvon unten her durch jedes Einzelnen Tun und Lassen. Ashbee sieht die Juden mit dem Scharfblick des Feindes. „Die ganze zionistische Bewegung hat etwas Parteimäßiges, Journalistisches wie alle anderen Ismen. Ein Kern einer guten Idee wird zu gunsten einer maßlosen Mittelmäßigkeit ausgebeutet." „Diese Leute haben nicht das Material um einen Staat zu bilden." „Ich versuchte, den Markt von Meah Schearim (den jüdischen Markt von Jerusalem) rein zu bekommen. Offenbar ist ein Ungläubiger nötig, um den ganzen Schmutz, die Häßlichkeit und die Gemeinheit, die niedrige Verstohlenheit dieser ,rein jüdischen Gesellschaft*, ihre Schwindsucht, ihre Augenkrankheiten, ihre erblichen Krankheiten zu sehen. Ich glaube, diese Juden der heiligen Stadt sind noch schlimmer als ihre Brüder in Whitechapel." „Die Schmutzigkeit, Häßlichkeit, der Mangel an Grazie, das Fehlen jeden Stiles charakterisieren den palästinensischen Juden, ob er von Polen, Rußland oder den Vereinigten Staaten kommt, oder ob er eingeboren ist. Durch das Fehlen jeder Würde ist er von allen anderen Rassen Palästinas unterschieden." A. lehnt den Zionismus ab, wie ihn die jüdischen Assimilanten zur Zeit Herzls abgelehnt haben (er selbst stammt teilweise von Juden ab): der Zionismus sei Rückkehr zur Exklusivität, zum theokratischen Staat, zum auserwählten Volk und Nationalgott —