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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 538

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Von Wort und Sinn der biblischen Schöpfungsgeschichte
Date
1924-01-01
Page
538 (sequence 8)
Language
German
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538 Ernst Müller: Dichtung ein Wörterbuch prägnanter Namen und Ausdrücke" nennen konnte, stellt Adam bekanntlich das Maskulinum dar zum Worte ,,Adamahu (s. namentlich cap. 2, v. 5). Die beiden Wörter verhalten sich zueinander wie sonst die Namen von Männlichem und Weiblichem. Erde ist, kosmisch betrachtet, das weibliche Prinzip des Menschen, wie der Mensch das männlich-geistige Prinzip der Erdensubstanz.1) Frühe gnostische und aggadische Deutungen sprechen von einer zweifachen Erschaffung des Menschen. Zunächst bietet die biblische Darstellung selbst zwei Schöpfungsberichte, die sich insofern ergänzen, als im ersten Kapitel der Mensch in der Folge der Wesensscharen, welche den Komplex des Erdenplaneten bilden, am Ende auftritt, aber noch nicht gebunden an die eigentliche Erdenstofflichkeit: Adamah. Im zweiten Kapitel hingegen, in dem erst Himmel und Erde „gemacht", d. h. physisch geschaffen werden2), erscheint der physische Mensch aus Adamah" gebildet, oder wie die Aggadah sagt, aus Erdenstaub von allen Teilen des Planeten, aber doch erst zum ganzen Menschen werdend durch den Einhauch des Geistesodems: der ,,Neschamah", die nach kabbalistischer Deutung der eigentliche Mensen ist. Grundverschieden erscheint in diesem Zusammenhange noch die Erschaffung der Tiere und des Menschen darin, daß jene als Lebewesen („lebende Seele") bereits von ,,Erez" hervorgebracht werden (cap. 1, v. 24), während der Mensch erst durch Einverleibung seines im Göttlichen selber beheimateten Geistes zur „lebenden Seele" wird (cap. 2 v. 7). Die Aggadah verlegt die zweifache Menschenschöpfung hier und da bereits in den Inhalt des ersten Kapitels. In einem interessanten Referate berichtet V.Apto witzer3) von Aggado th, denenzufolge der Mensch dem Leibeskeime nach am ersten Tage, der Seele nach am Ende aller Lebewesen (Rabbi Berechja), während nach Simon ben Lakisch umgekehrt die Seele am ersten Tage, der Leib erst nach allen anderen Wesen geschaffen wurde. Solche Vorstellungen lassen die Idee durchschimmern, daß der Mensch nicht nur den Gipfel, sondern den eigentlichen Inhalt der ganzen Schöpfung bildet. Ausgesprochen erscheint die 1) Als Individuum freilich wird Adam schon bei Philo „mannweiblich" vorgestellt („männlich und weiblich"), obwohl erst von einem Menschen gesprochen wird. Aus dem einheitlichen, in sich selbst polarisierten Menschenwesen erst wird durch den Vorgang der Abspaltung je einer Seite Mann und Weib. (Der Sohar deutet die berühmte „Rippe" als spezielle Wesensseite.) Ein kosmisches Analogon hierzu liegt in gewissem Sinne schon am vierten Schöpfungstage vor, wo der gleichen Benennung der „großen" Himmelsleuchten: Sonne und Mond die Unterscheidung der „großen" und der „kleinen" Leuchte folgt. 2) Die Schöpfung des ersten Kapitels erfolgt also geistig: „im Bilde Gottes" (v. 27), des zweiten physisch: „Staub vom Erdboden" (v. 7). Man bemerke auch die Inversion: „Im Anfang schuf Elohim Himmel und Erde (cap. 1 v. 1) und: „am Tage, da JW Elohim Erde und Himmel machte (cap. 2 v. 4). Auf die physische Schöpfungsseite wird vielleicht mit dem Schlußworte des ersten Kapitels bereits vorbereitet. 3) „Zur Erklärung einiger merkwürdiger Aggadoth über die Schöpfung des Menschen." (Festschrift Simonsen, Kopenhagen 1923.)

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