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Der Jude · 1924-01-01 · Heft 9 · p. 535

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Journal
Der Jude
Volume
8 (1924)
Issue
Heft 9
Article
Von Wort und Sinn der biblischen Schöpfungsgeschichte
Date
1924-01-01
Page
535 (sequence 5)
Language
German
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Von Wort und Sinn der biblischen Schöpfungsgeschichte 535 erscheint uns jene Scheidung, die zwischen Licht und der früher als ungeschiedener Zustand des Chaos existierenden Finsternis anhebt, sobald das Licht verwirklicht ist. Aus dem Wesensgegensatz aber wird Zeitgegensatz, wird Zeit, selbst polarisiert und einer positivsten und negativsten Daseinsmacht unterworfen im Schöpfungswerke selbst aber immer wieder oszillierend zwischen den Zuständen gemengten Urseins und klarscheidender Erdenwirklichkeit.2) „Ein Tag", nicht „der erste", wie später an den parallelen Stellen vom „zweiten", „dritten" und so weiter gesprochen wird, wo Eins,immer wieder auf absolute Einheit hinweist, auf eine Sphäre des reinsten, überzeitlichen Urbeginns, aus der als der Urschöpfung in Wirklichkeit alle Schöpfung emaniert, so daß der erste Tag auch alle übrigen einbegreift, die als seine Fortsetzung doch eigentlich nur seine Entfaltung bedeuten.3) II. Ohne im folgenden in gleich detaillierter Weise mit dem Textworte selbst weiterzugehen, sei jetzt dessen weiterer Gang wenigstens schlaglichtweise nach drei grundlegenden Ideen orientiert und damit zugleich in die großen Zusammenhänge der biblischen Weltanschauung hineingestellt, die sich nur hier, im Schöpfungsbericht, weniger im Gedankenausdruck als unmittelbarer im „Wort" manifestiert. Es sind die drei Ideen: Natur, Mensch, Sabbat h. Allerdings der Begriff „Natur" ist Zeiten, in denen die volle Scheidung des inneren und äußeren Bewußtseins noch nicht vollzogen war, noch fremd. Sogar den Griechen ist Physis noch mehr die sprossende Aktivität als sozusagen die fertige Substanzialität der Natur. Und das hebräische „tewa" tritt in der Bedeutung des natürlichen Universums erst in der mittelalterlichen Religionsphilosophie auf. So ist denn auch die Schöpfung in der Bibel nirgends bloß Natur-, sondern zugleich Geistschöpfung, wie denn auch in den sie abschließenden Worten am Beginn des zweiten Kapitels neben Himmel und Erde noch „all ihr Heer", der Inbegriff der ihnen zugehörigen Heerscharen genannt wird. Wenn wir künstlich die Naturreiche als solche, sozusagen im Sinne einer biblischen Naturgeschichte, ins Auge fassen, so kann zunächst das Fehlen x) Jörn, (op) ist nach Steiner dem gnostischen „Äon" verwandt. Man könnte vielleicht in ap (vgl. das griechische: aei) das Ewigkeitselement der Zeit, in nW hingegen, dem typischen „Nein«wort (man denke an nicht, und an die sagenhafte Lilith) das in der Zeit liegende Element illusorischer Negativität erblicken. 2) Abend, zugleich Gemenge, ips anklingend an Wortstämme wie ip (kalt), das deutsche „Kraft", lat. creare (s. hierzu Hermann Beckh: „Etymologie und Lautbedeutung im Lichte der Geisteswissenschaft"), wobei man auch an die umgekehrte Lautstellung im Worte: yipi (Scheide) des zweiten Schöpfungstags denken möge. 3) Philo faßt die Schöpfung überhaupt zeitlos. Die Bibel schildert Ordnungs-, nicht Zeitfolge. Die Deutung von „echad" als letzter Einheitsregion findet sich in Ibn Esras Pentateuchkommentar.

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